was fehlt ...: … der Glaube
Reiche Beute haben Diebe gemacht: eine Reliquie mit Blut des verstorbenen Papstes in einem Rucksack. Doch was soll man mit Blut? Sie behielten lieber nur den Rucksack.
Johannes Paul II. war ein beliebter Papst und wurde 2011 sogar selig gesprochen. Deshalb vermuten Gläubige auch eine besondere Wirkung, die von Reliquien des Toten ausgehen soll, etwa von seinem Blut. Eine solche sollte nun an einem heiligen Ort nördlich von Rom ausgestellt werden, doch der Priester, der die kostbare Flüssigkeit abliefern sollte, ließ sich im Zug beklauen.
Drei Männer stahlen seinen Rucksack, indem sich das Gefäß mit dem Blut befand. Dies wurde erst später bemerkt. Doch der Priester hatte Glück im Unglück: Entweder wussten die Diebe nicht, was sie da erbeutet hatten, oder sie waren nicht besonders religiös. Die Polizei konnte die Reliquie in einem Gebüsch in Bahnhofsnähe sicherstellen. Offenbar war sie achtlos weggeworfen worden. Den Rucksack aber haben sie behalten.
Wer kann es ihnen verdenken? Gute Rucksäcke kosten heute im Fachhandel mehrere hundert Euro und erfüllen zweifelsohne einen praktischen Zweck, nämlich das Tragen von Dingen. Der Nutzen einer Blutreliquie hingegen ist zweifelhaft und verlangt Glauben. Ärgern könnten sich die Diebe trotzdem. Im Mittelalter wurde mit Reliquien reger Handel getrieben und Unsummen verdient. (taz, lom)
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