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Kommentar Inselkonflikt China/Japan Entflammbarer Nationalismus

Sven Hansen

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Sven Hansen

In China herrscht sowohl „Staatsnationalismus“ als auch „Volksnationalismus“. Deshalb sind die antijapanischen Proteste für die KP eine zweischneidige Sache.

D emonstrationen für grundlegende politische Reformen bleiben in China tabu, doch nationalistische Proteste gegen Japan oder die USA werden oft für eine Weile mit offiziellem Wohlwollen bedacht. Denn sie haben für das Regime eine Funktion jenseits des Dampfablassens. Ihre Botschaft: Seht mal, Partei und Regierung handeln auf Wunsch der Bevölkerung, die in ihren nationalistischen Positionen noch viel radikaler ist.

Seit dem Bankrott des Kommunismus ist der Nationalismus in China eine Ersatzideologie und die neben dem Wirtschaftswachstum wichtigste Herrschaftslegitimation der KP. Den „Staatsnationalismus“ von oben ergänzt ein „Volksnationalismus“ von unten. Beide verstärken sich gegenseitig, sind oft symbiotisch, aber auch Konkurrenten.

Der „Volksnationalismus“ ist emotionaler, irrationaler und radikaler, während der „Staatsnationalismus“ das internationale Umfeld beachten und Kompromisse mit anderen Staaten vertreten muss. Unkontrollierter „Volksnationalismus“ kann dem Regime gefährlich werden. Erst recht, wenn ansonsten Demonstrieren offiziell kaum möglich ist. Nimmt der „Volksnationalismus“ überhand, kann er eine zu internationalen Kompromissen gezwungene Regierung angreifen und – wie aus Chinas Geschichte bekannt – hinwegfegen.

ist Redakteur im Auslandsressort der taz.

Deshalb sind die antijapanischen Proteste für die KP eine zweischneidige Sache. Da keine Regierung in dem Konflikt ohne Gesichtsverlust zurückweichen kann und beide mit dem Status quo ante am besten bedient wären, kann Peking den Nationalismus nur begrenzt für Druck auf Tokio nutzen. Denn Peking muss auch wirtschaftlichen Schaden abwenden und die Situation beruhigen. Vor allem muss die KP verhindern, die Kontrolle zu verlieren, also eine Situation, in der die Demonstranten auch andere Forderungen erheben. Ein Spiel mit dem Feuer.

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Sven Hansen

Sven Hansen Auslandsredakteur (Asien)

Asienredakteur seit 1997, studierte Politologie in Berlin und Communication for Development in Malmö. Organisiert taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit JournalistInnen aus Südostasien und Han Sens ASIENTALK. Herausgeber der Editionen Le Monde diplomatique zu Südostasien (2023), China (2018, 2007), Afghanistan (2015) und Indien (2010). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @SHansenBerlin
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2 Kommentare

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  • N
    Nassauer

    Ein lokaler Konflikt auf der anderen Erdseite wäre gut für die deutsche Wirtschaft - Also nur zu, Ihr Gelben!

  • K
    Kenji

    Nationalismus mag auch eine Rolle spielen, aber wie auch die muslimischen Proteste gegen die USA oder auch "den Westen" im Allgemeinen, sind sie nur ein oberflächliches Symptom eines sehr viel tiefer verwurzelten Gefühls. Es ist ein Gefühl der Opposition gegen einen Aggressor, gegenüber welchem man sich ständig im Nachteil fühlt.

     

    Ich wundere mich nicht über die Proteste gegen Japan. Es sind schließlich nicht die ersten. Auch die Tatsache, dass es sich bei den Senkaku-Inseln bloß um ein paar Steine im Wasser handelt, deren Rohstoff-Vorkommen nicht besonders groß ist (Vor allem nicht für China!!), verwundert mich nicht.

     

    Chinas Antipathie gegen Japan hat auch etwas mit der unaufgearbeiteten Vergangenheit zu tun. Japan als Täter im 2. Weltkrieg hat seine Verbrechen gegen die Nachbarstaaten nie versucht wieder gut zu machen, offen zuzugeben (teilweise) oder selbst aufzuarbeiten. Japan, dem man ein Schuldeingeständnis nicht abnehmen würde, denn sie zeigen kein schlechtes Gewissen, wird immer noch als der Aggressor gesehen, der China zu okkupieren versucht. Auch wenn es sich nur um ein kleines Stück Land handelt, so ist die Bedeutung dessen sehr viel größer als nur der Preis in Rohstoffen. Es wäre für China ein Sieg gegen Japan und damit ein Stück Vergeltung.