Neue Regeln bei Fotodienst

Instagram knickt ein

Instagram plante, die Fotos seiner Nutzer zu Werbezwecken zu verkaufen. Nach heftigem Protest der User revidiert das Unternehmen seine Ankündigung.

Zuerst möchte Instagram die Fotos der Nutzer verkaufen dürfen, jetzt doch nicht mehr. Was denn nun?  Bild: dpa

NEW YORK/SAN FRANCISCO/BERLIN dpa/afp/taz | Der Fotodienst Instagram macht nach heftiger Nutzer-Kritik einen Rückzieher bei geplanten Änderungen der Nutzungsregeln. Das Unternehmen sprach dabei von einem Missverständnis. „Wir haben keine Absicht, Ihre Fotos zu verkaufen“, stellte Mitgründer Kevin Systrom klar und entschuldigte sich am Dienstagabend für unklare Formulierungen. Auch müssten sich Nutzer keine Sorgen machen, dass ihre Bilder ungefragt in Werbeanzeigen auftauchen.

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Sehr locker formulierte neue Regeln hatten solche Interpretationen zugelassen und für Aufruhr bei den Nutzern gesorgt. Viele erklärten, Instagram zu verlassen. Die von Facebook übernommene Plattform ist mit mindestens 100 Millionen Nutzern einer der populärsten Fotodienste im Netz.

Die Instagram-Nutzer störten sich vor allem an einem Punkt in den neuen Regeln, laut dem Instagram bei einer wortwörtlichen Auslegung Bilder und andere Daten Werbetreibenden zur Verfügung stellen und dafür Geld kassieren könne. Gemeint dabei sei aber nur, dass ein Nutzer zum Beispiel sehen könne, welche seiner Freunde die Fotos einer bestimmten Firma bei Instagram abonniert hätten, erklärte Systrom jetzt. „Es ist unser Fehler, dass die Formulierungen verwirrend sind“. Eine neue Version solle klarer werden.

Unbegründet sei auch die Befürchtung, dass Instagram-Bilder in Werbeanzeigen auftauchen könnten, betonte Systrom. „Wir haben keine solchen Pläne und werden deswegen die Formulierung entfernen, die diese Frage aufkommen ließ“. Instagram wolle klassische störende Anzeigen wie Werbebanner verhindern. Stattdessen sei die Idee, Nutzern für sie möglicherweise interessante Instagram-Accounts und Inhalte vorzustellen und damit Geld zu verdienen.

Nach Veröffentlichung der neuen Regeln hatte sich im Internet wie ein Lauffeuer die Behauptung verbreitet, Instagram wolle unter der neuen Facebook-Regie Fotos von Nutzern verkaufen. Dienste, die beim Sichern von Instagram-Fotos helfen, meldeten einen Ansturm von Kunden an - was auf eine Abwanderung von Nutzern hinweisen könnte. Die neuen Regeln sollten am 16. Januar in Kraft treten.

Neue Bestimmungen wegen Facebook

Die umstrittene Passage in den am späten Montag veröffentlichten Nutzungsrichtlinien lautete: „Der Dienst kann teilweise oder ganz von Werbeeinnahmen unterstützt werden. Um uns zu helfen, interessante bezahlte oder gesponserte Inhalte oder Werbung zu platzieren, erklären Sie sich damit einverstanden, dass ein Unternehmen oder eine andere Einheit uns dafür bezahlt, Ihre Benutzernamen, Abbild, Fotos (zusammen mit allen anhängenden Metadaten) und/oder Aktionen, die sie vornehmen, im Zusammenhang mit bezahlten oder gesponserten Inhalten oder Werbekampagnen anzuzeigen, ohne jede Vergütung für Sie“

Außerdem warnte Instagram, dass bezahlte Services oder gesponserte Inhalte nicht unbedingt als solche ausgezeichnet werden. Weitere neue Bestimmungen hingen vor allem mit der Übernahme durch Facebook zusammen. So behielt sich Instagram das Recht vor, sämtliche Informationen inklusive Geodaten mit anderen zu teilen.

Mit Instagram können per Smartphone geschossene Fotos kostenlos bearbeitet und anschließend auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken im Internet veröffentlicht werden. Dort zählt das Teilen von Bildern mit anderen Nutzern zu einer der Hauptaktivitäten.

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook hatte im Frühjahr rund eine Milliarde Dollar für Instagram mit damals rund 30 Millionen Nutzern geboten. Angesichts der massiven Kursverluste der Facebook-Aktie fiel der tatsächliche Kaufpreis am Ende einige hundert Millionen Dollar niedriger aus. Facebook machte von Anfang an keinen Hehl daraus, dass sich die teure Übernahme am Ende rechnen soll. Auf Seite von Facebook mit mehr als einer Milliarde Mitgliedern wurden die Schleusen für Instagram-Daten bereits vor kurzem mit neuen Datenschutz-Regeln geöffnet.

Populär geworden war Instagram mit Hilfe des Facebook-Rivalen Twitter. Anfang Dezember sorgte Instagram aber dafür, dass Mitglieder ihre Bilder nicht mehr direkt sondern nur noch als Link auf Twitter veröffentlichen können. Offenbar will Instagram Nutzer stärker auf die eigenen Seiten lenken, um sich durch vermehrte Zugriffe höhere Werbeeinnahmen zu sichern.

 

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