Happy End: Liebestod

Der Film „Fickende Fische“ erzählt eine Liebesgeschichte, deren 16-jähriger Held HIV-positiv ist. Regisseurin Almut Getto über Marketing, Pädagogik und deutsche Komödien

taz: Frau Getto, wie kamen Sie auf den Titel des Films? Eine Anspielung auf den amerikanischen Filmkomiker und Alkoholiker W. C. Fields, der auf die Frage, warum er nie Wasser trinken würde, antwortete: „Da ficken doch Fische drinne.“ ?

Almut Getto: Nein, mein Produzent hat mir diesen Spruch zwar schon ziemlich früh erzählt, aber auf den Titel bin ich selber gekommen. Der Titel kommt wirklich aus der Geschichte: Ein 16-jähriger Junge mit Affinität zu Fischen, verliebt sich in ein Mädchen, das ein wenig krass drauf ist. Es geht bei den beiden um Sex und Fische. Irgendwann fragt sie ihn mal, „wie ficken den nun eigentlich die Fische?“. Das war dann für mich ein toller Titel. Wenn ich jetzt höre, was mir alles vorgeworfen wird, von wegen das wäre Marketing-Strategie und Effekthascherei im Hinblick aufs Zielpublikum, dann kann ich nur lachen. Den Titel gab es schon unheimlich früh, und genauso früh gab es Leute, die meinten, das könne ich nicht machen.

Das Wasser ist in Ihrem Film eine Metapher für die Fantasie- und Rückzugswelt des Protagonisten. Gab es diese Idee auch schon am Anfang Ihrer Arbeit?

Das Grundthema des Films ist ja „Realität“ und wie jeder einzelne von uns sie wahrnimmt. Wir alle haben ja diese Erfahrung gemacht, dass das sehr von der Tagesform abhängig ist: An guten Tagen ist das Leben nicht ganz so schrecklich, an schlechten Tagen aber viel schlimmer. Diese Zustände verschwimmen ineinander, und durch dieses Verschwimmen kam ich dann ganz leicht auf die Metapher „Wasser“. Der Protagonist fühlt sich ja seinen Fischen sehr nahe, weil er viel Ähnichkeiten sieht: Die Fische berühren sich nicht wirklich, haben einen in sich geschlossenen Lebensraum usw.

Ist der junge Held eine reine Kunstfigur?

Am Anfang war alles ausgedacht. Ich habe mit der Frage begonnen, was macht ein 16-jähriger Aidskranker, wenn er sich verliebt? Dann habe ich natürlich recherchiert, mit Betroffenen und Ärzten gesprochen. Mir war es sehr wichtig, dass medizinisch alles korrekt ist.

Ihr Film hat mit dem Liebestod der beiden nichts komödienhaftes, trotzdem wurde er von einigen Kritikern als „Komödie über die erste Liebe“ bezeichnet.

Das verstehe ich auch nicht. Wenn in Deutschland jeder Film, bei dem man dreimal lacht, gleich eine Komödie ist, kann ich daran auch nichts ändern.

Der Schluss ist allerdings heikel. Warum ist denn für die beiden die Liebe so unmöglich, dass sie sich umbringen?

Das kommt in dem Film vielleicht nicht so deutlich heraus, weil ich nicht zu pädagogisch das Publikum mit Fakten über jugendliche Aidskranke vollstopfen wollte. Aber die Chancen für diese Kinder sind nicht annähend so gut wie für erwachsene Aidskranke. Kinder werden relativ schnell resistent gegen die Medikamente – das bedeutet zwei Jahre Maximum, und das war’s dann. Für mich ist es so, dass sie zusammen aussteigen aus einer Welt, in der ihre Liebe keine Chance hat und sich eine Realität schaffen, in der ihre Liebe überlebt. Deshalb ist das für mich ein Happy-End.

Warum haben Sie für Ihr Spielfilmdebüt eine Geschichte über Jugendliche gewählt?

Ich sage immer, mit 15 stirbt man für seine erste Liebe, mit 25 verlässt man das Land und mit 35 zieht man noch nicht einmal in die nächste Stadt. Ich glaube, dass man als Jugendlicher eine absolutere Haltung zum Leben hat. Darüber lassen sich dann schöne Geschichten erzählen.

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