Nicht der Fleißigste unter den Politikern

Nun hat das Stoiber’sche Schattenkabinett auch einen Landwirtschaftsminister: Ein aus der Art geschlagener Friese

„Die CDU-Landtagsfraktion freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem zukünftigen Landwirtschaftsminister Peter-Harry Carstensen.“ Das erklärte Martin Kayenburg, der unionierte Fraktionschef des Kieler Landtags, vor drei Jahren. Noch ist es nicht soweit. Aber doch schon sehr viel weiter: Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) beruft das Nordlicht Carstensen in sein Kompetenzteam.

Am Freitag soll der Bundeslandwirtschaftsminister in spe erstmals an der Seite des Bayern agieren. Gemeinsam mit Stoiber wird er in Hamburg sein Regierungskonzept vorstellen. Und schon beim Namen wird klar, dass – falls die Union die Wahl gewinnt – nichts bleiben wird, was derzeit ist. Carstensen will nicht Verbraucherschutzminister werden. Seine Dienststelle soll „Ministerium für Lebensmittel, Landwirtschaft, ländliche Räume und Fischer“ heißen.

Dass Castensen ein ausgewiesener Fachmann ist, bestreitet ernsthaft niemand. Der Diplomagraringenieur und einstige Lehrer an der Landwirtschaftsschule Bredstedt sitzt seit 1983 im Bundestag und leitet seit acht Jahren den Agrarausschuss. Als solcher profilierte er sich als Gegner der Künast’schen Agrarwende – nicht weil Bio schlecht, sondern weil es zu teuer sei. Carstensen errechnete, dass die Künast’sche Zielvorgabe – 20 Prozent Ökolandbau bis 2010 – nur durch fünf Millarden Euro Steuersubventionen zu erreichen ist.

Dieses „unfinanzierbare Subventionsloch“ (Carstensen) bestätigte indirekt die Fachebenen des Bundesverbraucherministeriums. „Es stellt sich die Frage, ob diese Subventionsbeträge aufgebracht werden können und überhaupt ausreichen werden für ein spezielles Warensegment, das vermutlich nicht in breitem Umfang nachgefragt wird“, heißt es in einem internen Vermerk. Carstensen hat angekündigt, Künast mit der Frage „Woher soll das Geld kommen?“ durchs Dorf treiben zu wollen.

Carstensen stammt von der Insel Nordstrand, einem Landstrich also, der nicht unbedingt als Nährboden für Fröhlichkeit, Lebensfreude und Offenheit gilt. Insofern ist Carstensen aus der Art geschlagen, denn genau diese Wesenszüge bescheinigen ihm die politischen Freunde. Verbissenheit liegt ihm völlig fern, scharfzüngige Demagogie mag ihm nicht gelingen und ein Arbeitstier ist er auch nicht. Der 55-Jährige räumt schon mal ein, nicht eben der Fleißigste unter den Politikern zu sein.

Immerhin: Ein bisschen schillernd ist er. Carstensen betreibt als Windkraftfan einerseits auf Nordstrand Windmühlen. Andererseits weist ihn die Burschenschaft „Landsmannschaft Troglodytia Kiel“ als Mitglied aus. Einerseits ist Carsensen Vorstandsmitglied des Forums Natur. Andererseits ist er Träger des Hamburger Preises für Jagdpolitik. Einerseits ist Carstensen Präsident der Deutschen Gesellschaft für Agrar- und Umweltpolitik. Andererseits Aufsichtsrat der Nordfleisch AG.

Dennoch ist Carstensen bislang eher ein unbeschriebenes Blatt. Erst als der schleswig-holsteinische CDU-Chef Johann Wadephul an völlig zerstittenen Unionschristen scheiterte, änderte sich das: Mit über 90 Prozent der Stimmen wurde Carstensen Anfang Juni zum neuen Landeschef gewählt. Als solcher konnter er allerdings – und das lässt die Freunde der Agrarwende hoffen – bislang keinerlei Akzente setzen.