Ginkgos und Gewölbe

Mitten im Lärm der Stadt ist der Focke-Garten am Ende der Schlachte-Meile wieder auferstanden. Städtebaulich eher an den Rand gedrängt, wünscht man dem schönen Flecken viele Gäste

Kiwi-Lauben und Zitronenbäume, Geißbartbüsche und Magnolien, Ginkgos und Iris – es grünt und blüht im „renovierten“ Focke-Garten, gelegen am westlichen Ende der Schlachte-Meile, kurz nach der Kirche Sankt Stephani. Die Eröffnung stand am Ende einer zweitägigen Konferenz von über 150 Landschaftsarchitekten und Gartenamtsleitern, die Bremen wegen des 200sten Geburtstages der Wallanlagen zum Tagungsort erkoren hatten.

Dem Charme dieses Gartens tat der Regen keinen Abbruch. Dort, wo vor dem Zweiten Weltkrieg das alte Focke-Museum stand und wo noch viel früher, im 17. Jahrhundert, Bremens erstes Armenhaus lag, lädt jetzt ein von Mäuerchen und Beeten umgrenztes, von Baumriesen umstandenes Rasenfleckchen ein zum Flanieren und Sinnieren.

Beschaulichkeit ist allerdings nur die halbe Wahrheit dieses Gartens, der mit der abgesenkten Rasenfläche beinahe privat wirkt – typisch für den Rückzugswunsch der 50er Jahre.

Eingequetscht zwischen der Stephanibrücke und den teils brachliegenden Hafengewerbegebieten im Bremer Westen versteht man oft sein eigenes Wort nicht, so groß ist der Lärm der Autos und LKW, der hier erst recht als Lärm empfunden wird. Mit den Dimensionen des Stephanitor-Viertels hat die gleichnamige Brücke nämlich nicht mehr viel zu tun. Die B 75, Verbindung zwischen der A 27 und der Autobahn nach Oldenburg, trennt wie ein Schwert die Mitte der Stadt vom Bremer Westen. Wer samstags am Kajenmarkt und an den Schiffsanlegern entlangspaziert, wird in den selteneren Fällen die Brücke unterqueren und bis zum Focke-Garten vordringen.

Klaus Rautmann, der beim Senator für Umwelt das Jubiläum der Wallanlagen koordiniert, berichtet von der Geschichte des Gartens als einer „Hoffnung spendenden“. Angelegt 1951 auf dem Ruinengrundstück des Museums, war der Garten „eine der wenigen intakten Flächen in der Stadt“. Die Brücke hatte noch menschliches Maß und die Wohnungen im Bremer Westen reichten fast bis an den Focke-Garten, so dass für Publikum gesorgt war. „Anfang der 50er wohnten viele noch behelfsmäßig. Der Garten stand für eine blühende Zukunft“. Auch wenn das Material, mit dem die Mäuerchen und Gehwege ausgebessert wurden aus den Trümmern der Bremer Häuser stammte.

Manche Pflanzen wie die Kletterhortensien und der Geißbart stammen noch aus dieser Anfangszeit, ebenso die Sonnenuhr und eine Vogeltränke im typischen 50er-Jahre-Style. Für den Genius Loci sorgen aber auch die Gewölbe, die vom Armenhaus geblieben sind und die zum Teil begehbar sind. Unvermittelt tritt man aus dem lichten Grün in den nachtschwarzen Untergrund. Hier sollen nach dem Wunsch Rautmanns in Zukunft Lesungen und andere Events stattfinden – ein Konzept, mit dem auch das öffentliche Grün der Wallanlagen wieder fester im öffentlichen Bewusstsein verankert wurde. Denn Parks, so Rautmann, werden wahrgenommen wie das Atmen, „notwendig, aber nicht erwähnenswert“.