Hartes Prinzenleben

■ MOKS: Königsjacket + Hut + Schirm = Geschichte

Ein Ort, mit Billiardtisch und Wartebank. Überall und nirgendwo, könnte das sein. Wo die Zeit still steht, leere Zettel und dicke Staubschichten herumliegen. Und Eins und Zwei und Drei sich auf der Bühne langweilen.

Was macht man da? Man oder vielmehr Eins (Alexander Hauer) erzählt Geschichten. So eine mit einem König, oder mit Räubern und Pistolen, oder wenigstens eine, die anfängt mit „es war einmal“.

Bei „Prinzessin Maria vom Meere“ geht die Story anders. Das neue Stück im Kindertheater MOKS erzählt, wie Geschichten erzählt werden. Und da fällt der älteste aller Beginnings sofort durch. „Das ist kein guter Anfang“, sagt Zwei (Hermann Book) herablassend. „Vor langer Zeit“ ist auch nicht viel besser: „Das ist kein guter Anfang“, sagt Drei (Maureen Havlena).

Und überhaupt die Geschichte mit dem unzufriedenen König, dem die Krone zu schwer und das Königreich zu klein war – die gibt es schon. Und die Geschichte mit dem schüchternen Räuber, der Schluckauf kriegt, sowie er mit seinen Pistolen rumfuchtelt – auch die gibt es schon. Es hilft also nichts, eine neue Geschichte muss her. Eine ganz neue, die die Zeit ein bisschen vertreibt.

Vielleicht eine Geschichte mit einem Prinzen? „Johann“, schlägt Zwei als Namen vor. „Sebastian“, findet Drei viel besser. „Iwan“ schließlich halten sie dann alle für das allerbeste.

Und dann kommt die Sache in Gang. Zum Geschichtenerzählen braucht man nicht viel: Ein Königsjacket. Einen Hut. Und einen Schirm für die Prinzessin. Aber haufenweise Ideen, bizarre Wendungen und rettende Einfälle.

Und so spinnen die drei ganz eifrig an ihrer Geschichte. Ansteckend eifrig. Sie verwandeln sich zu Polkamusik und mit strenger Miene in den Kotzbrocken Koschtschej. Oder zu klirrenden Gitarrensaiten in die dahin siechenden Königsmutter, die dem Prinzen Iwan als letzten Rat nur noch auf den Weg gibt, sich doch immer anständig den Hals und die Füße zu waschen. Auch so ein Prinzenleben kann manchmal ganz schön hart sein.

Doch gerade das macht das Märchen auf der Bühne so allerliebst. Wenn Iwan ganz jämmerlich weinen soll und nur hilflos mit einem Glöckchen bimmelt. Wenn die seltsamsten Vögel unter Donnergrollen im Schloss einschlagen und die Schwestern des Prinzen vom Fleck weg heiraten. Hunger, Durst und schlecht gelaunte Pferde werden schnell zum Standard-Jammertal des Prinzen, der seine Liebste aus den Händen des Kotzbrocken Koschtschej reißen will. Sicherheitshalber müssen alle obskuren Situationen immer dreimal erzählt – und auch genossen werden.

Doch dann geht es ganz schnell. Koschtschej rollt böse mit den Augen und schlägt Iwan mit Worten kurz und klein. Eigentlich müsste das Stück hier schon zu Ende sein. Eben weil Iwan sich dummerweise und nach drei Anläufen hat kurz und klein schlagen lassen. Schade eigentlich. Also überlegen Eins, Zwei und Drei noch mal neu und kippen das Wasser des Lebens über den Prinzen, der wahrlich nicht zum Helden geboren war. Und geben ihm – zum ersten Mal im Stück – eine vierte Chance.

Ganz, ganz liebevoll hat Heiner Fahrenholz die „Prinzessin Maria vom Meere“ inszeniert. Das Erzählstück nach einem russischen Volksmärchen, sparsam auf die Bühne gebracht, aber mit umso mehr Mimik und Musik gespielt. Klar, kriegt der Prinz am Ende seine Prinzessin. Und zur Hochzeit kommen dann alle. Auch der unzufriedene König und der schüchterne Räuber. Wie im Märchen eben.

Für Kinder ab acht Jahren. Die Premiere ist heute um 16 Uhr im MOKS. Weitere Aufführungen am 10., 11. und 12. Mai.