Tunesien

Programm der Reise

vom 2. bis 14. Oktober 2017

Das Dahargebirge, südlichste Region dieser Reise, wird seit Jahrtausenden bewohnt – berühmt sind die besonderen Höhlenbehausungen. Bild: Raja Skandrani

1. Tag (Montag)

Anreise bis zum späten Nachmittag; Einchecken im Hotel Carlton. Gemeinsames Abendessen (Restaurant 'Maison Dorée'), Kennenlernen und Programmeinführung.

2. Tag (Dienstag)

Bei einem Rundgang durch die Medina (Altstadt) von Tunis und das moderne Stadtzentrum lernen wir zugleich wichtige Orte der Revolution von 2011 kennen: Place de la Bourse, Avenue Bourguiba, Kasbah, Place du Gouvernement. Doch wir werden auch die wunderschön restaurierten Viertel der Medina durchstreifen.

Am Nachmittag Besuchdes Gästehauses „La chambre bleue“, das von der Künstlerin Sondos Belhassen betrieben wird. Gespräch mit Sondos Belhassen über ihr Engagement in der BürgerInnen-Vereinigung ‚Action citoyenne en Medina‘ und das Leben in der Altstadt. Abendessen im Gästehaus ‚La chambre bleue‘ mit Gästen aus der Zivilgesellschaft.

Tunis: Proteste nach der Vergewaltigung einer Frau durch zwei Polizisten, im November 2012. Bild: Archiv

3. Tag (Mittwoch)

Treffen mit Karima Souid, die als Abgeordnete der Verfassungs-gebenden Versammlung an der neuen tunesischen Verfassung mitgearbeitet hat und sich heute als Verantwortliche des Projekts ‚Unterstützung der Zivilgesellschaft in Tunesien‘ (Appui à la Société Civile) für die gesetzliche Konkretisierung der in der Verfassung garantierten Grundrechte engagiert.

Nachmittags treffen eine Vertreterin der Wahrheitskommission (‚Instance Vérité et Dignité‘), die die Menschenrechtsverletzungen in Tunesien seit 1955 aufarbeitet. Abendessen mit Gästen im 'Chez Slah'. Unter anderem informiert der stellvertretende Vorsitzende der Homosexuellen-Vereinigung Shams überdie rechtliche und soziale Situation von sexuellen Minderheiten in Tunesien.

4. Tag (Donnerstag)

Wir fahren zu den Ruinen des antiken Karthago und in den viel gerühmten Künstlerort Sidi Bou Said. In seinem ‚Café des Nattes‘, in dem vor 100 Jahren Macke und Klee gemalt haben, genießen wir bei einem Minze-Tee mit Pinienkernen den Blick auf das malerische Künstlerdorf, in dem verschiedene Aktivitäten möglich sind: Besuch des Zentrums für arabische und andalusische Musik im ‚Palais d’Erlanger‘, der Zaouia Sidi Bou Said und diverser Galerien.

Danach Gespräch mit dem Bürgermeister von Sidi Bou Said Raouf Dakhlaoui über die Situation in den Kommunen.

"Place de Victoire" in Tunis, französischer Kolonialstil im modernen Zentrum der Stadt. Bild: Archiv

Zum Abschluss besuchen wir die Kunst-Galerie ‚Alain Nadaud‘und ein Glasbläser-Atelier im nahe gelegenen Gammarth. Dort sprechen wir mit der Künstlerin Sadika über ihr Engagement im Kulturbereich und die von ihr gegründete Vereinigung ‚Femmes, montrez vos muscles‘, deren Ziel die Förderung und Qualifikation von Frauen im Kunsthandwerk ist.

Abendessen mit Gästen im ehemaligen Fischerort la Goulette.

5. Tag (Freitag)

Fahrt von Tunis in südliche Richtung nach Kairouan, am Ostrand der zentraltunesischen Steppe. Als erste islamische Stadt im eroberten Ifriquia entwickelte sich Kairouan seit dem 8. Jahrhundert zum geistig-religiösen Zentrum. Eine Vielzahl von Moscheen und Zaouias (Sufi-Bruderschaften) – etwa 50 allein in der Altstadt - unterstrei- chen bis in die heutige Zeit den spirituellen Charakter der Stadt.

Unser Rundgang führt uns u. a. zur Sidi Okba-Moschee (Grosse Moschee), zur Zaouia Sidi Sahab (Barbiermoschee) und in die am besten erhaltene Medina Tunesiens. Nachmittags treffen wir die Frauen von ‚Femmes Démocrates‘, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen und u.a. ein Beratungszentrum für Frauen eingerichtet haben, die Opfer von Gewalt sind.

Die Zaouia Sidi Sahab in Kairouan Bild: Susanne Kaufmann

Übernachtung im Hotel Kasbah in Kairouan. Abendessen im Hotel.

6. Tag (Samstag)

Nach dem Frühstück geht es weiter, zunächst nach Sidi Bouzid. Hier wurde im Dezember 2010 die Aufstandsbewegung ausgelöst. Nach einem Gang durch den inzwischen berühmten Ort treffen wir Maroua Harabi, die in der Vereinigung ‚Femmes montrez vos muscles‘ aktiv ist und in Sidi Bouzid selbst ein Projekt leitet, das Olivenholz verarbeitet. Wir treffen auch Mitglieder der Menschenrechts- organisation vor Ort.

Am Nachmittag Weiterfahrt nach Gafsa. Die Gouvernoratshauptstadt mit Oase liegt am westlichen Rand des wichtigsten Bergbaugebietes von Tunesien, wo seit der Kolonialzeit Phosphat abgebaut wird. Übernachtung in Gafsa. Abendessen im Hotel.

7. Tag (Sonntag)

Wir sprechen mit GewerkschafterInnen in Gafsa über Arbeitslosigkeit und Armut in den seit Jahrzehnten vernachlässigten Regionen im Landesinneren, über Arbeitskämpfe in der Bergbauregion und über neue ökonomisch-soziale Entwicklungsprojekte.

Treffen mit Gewerkschaftern in Gafsa; Mehdi Daly sitzt neben der Reiseleiterin Kresta Bild: Susanne Kaufmann

Weiterfahrt zur Gewerkschaft in Redyef im Zentrum des Phosphat-Abbau-Gebiets. Mittagessen mit Mehdi Daly und Gästen.

Am Nachmittag geht die Reise weiter, an Gabès vorbei zur Insel Djerba, auf die wir mit der Autofähre (von Jorf nach Ajim) übersetzen. Auf Djerba einchecken im Hotel, ausruhen und Abendessen.

8. Tag (Montag)

Auf der touristischen Insel Djerba treffen wir die Gruppe "Djerba insolite"; junge Leute,die sich für alternativen Tourismus und Umwelt engagieren.

Nachmittags besichtigen wir die Streetart-Kunstausstellung 'Djerbahood' im Ort Erriadh und besuchen dort auch die jüdische Synagoge „la Ghriba“, die älteste Nordafrikas.

9. Tag (Dienstag)

Wir verlassen Djerba über den alten Römerdamm, eine Brücke zum Festland, und fahren weiter ins Dahr-Gebirge, eine der schönsten Regionen Tunesiens. Dabei nehmen wir die Route der Speicherburgen (die 'Straße der Ksour').

Auf der Straße der Ksour Bild: Susanne Kaufmann

Hier reihen sich festungsartige Dörfer (Ksour) mit alten Speicherburgen und verlassenen Wohnhöhlen auf Bergkämmen und an steilen Berghängen wie Glieder einer Kette. Wir besuchen Ksar Gomrassen.

Dann geht es weiter bis Tataouine, wo wir übernachten.

10. Tag (Mittwoch)

Fahrt von Tataouine nach Douiret. Dort beginnt eine geführte Wanderung nach Chenini (ca. 10 km) durch die bizarre Bergwelt des Dahar.

Canyons reißen das öde Bergland auf, aus tiefen Schluchten und Wadis leuchten grüne Flecke hervor. Hier haben die Bergbewohner 'Djessour' angelegt: kleine Dämme und terrassenförmige winzige Felder, bepflanzt mit einem Olivenbaum, ein paar Feigenbäumen und Palmen. Vorbei an der Legenden umrankten Moschee 'Jemaa Kedima', auch 'Moschee der Sieben Schläfer' genannt, erreichen wir Chenini. Ortsbesichtigung.

Die "Moschee der Sieben Schläfer" auf dem Weg von Douiret nach Chenini Bild: Wolfram Bürgner

Rückfahrt mit dem Bus nach Douiret (wer mag, kann auch zurück wandern). Abendessen und Übernachtung in einem sehr einfachen Höhlen-Hotel in Douiret, das von der 'Vereinigung zur Erhaltung der Natur und zum Schutz der Umgebung von Douiret' betrieben wird.

11. Tag (Donnerstag)

Nach dem Frühstück geht die Reise weiter nach Gabès, wo wir im nahe gelegenen Mareth ein Militärmuseum mit Dokumenten zum Rommelfeldzug besuchen.

Weiterfahrt über Sfax, der zweitgrößten Stadt Tunesiens und Zentrum des Südens, bis zum gut erhaltenen römischen Amphitheater El-Djem. Gelegenheit zum Mittagessen und zum Besuch des römischen Monuments.

Am späten Nachmittag erreichen wir unser Ziel: das Fischerstädtchen Mahdia, einst Hauptstadt des Fatimidenreiches Ifriquiya. Das malerische Mahdia mit seinen osmanischen Festungsanlagen liegt abseits der Touristen-Zentren. Abendessen im Hotel.

12. Tag (Freitag)

Am Vormittag schauen wir uns den Fischerort mit seinem üppigen Wochenmarkt näher an und fahren gegen Mittag entlang der Küste nach Monastir, wo wir das protzig vergoldete Bourgiba-Mausoleum bestaunen können, und weiter nach Tunis.

Mahdia hat einen bedeutenden Fischereihafen sowie Fisch verarbeitende Industrie. Bild: Susanne Kaufmann

Am Abend gibt es dann das Wiedersehen mit Tunis – und ein Abschieds-Gala-Dinner mit Gästen im wunderschönen, restaurierten Altstadt-Restaurant ‚Dar Jeld‘, das für seine regionale tunesische Küche bekannt ist. Hier können die Erfahrungen der Reise ausgetauscht und mit GesprächspartnerInnen aus Tunis vertieft werden.

13. Tag (Samstag)

Die Reise endet mit einem mehr oder weniger ausführlichen Frühstück, je nach Abflugtermin der individuellen Rückflüge nach Deutschland.

Wer die Reise in Tunesien verlängern will, hat Gelegenheit, von der Reiseleiterin noch Tipps und Informationen einzuholen.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 29.11.2016