Geschmeidig posende Kapitalismuskritik

■ Konspiratives Transpirieren im Schlachthof: „The (International) Noise Conspiracy“ versuchen es auf die politische Tour – wer hats gemerkt?

Vögel zwitschern. Knospen sprießen. Der Frühling steht vor der Tür – die berechtigte Hoffnung auf eine Veränderung der Großwetterlage nimmt Formen an. Nicht im meteorologischen, sondern im politischem Sinn wettern die Bandmitglieder von „The (International) Noise Conspiracy“ aus Schweden, die am Samstag in einer fast ausverkauften Kesselhalle im Schlachthof die Menge mit einer Mischung aus Sixties-Garage-Punk-Rock-Soul ihrer aktuellen CD „A New Morning, Changing Weather“ zum konspirativen Transpirieren brachte.

„Yvonne“ kamen ihnen allerdings zuvor. Die sechs Schweden, die ihren Namen einer ehemaligen Miss Universe verdanken, gefielen mit rockigen Synthesizerklängen. „Six. By Seven“ aus England überzeugten den ein oder anderen Head-Banger mit ihrem eher düster klingenden Rock –n– Roll, der zwar eingängig aber gelegentlich eben auch eintönig wirkte.

Hop mit Top – so kamen die fünf uniform in Jeans und Streifentop gekleideten Schweden von „The (International) Noise Conspiracy“ auf die Bühne. Hier ein Salto, dort ein spektakulär in die Luft geworfenes und vor allem elegant wieder aufgefangenes Mikro – akrobatisch hat Sänger Dennis Lyxzén alles, was ein echter Rock –n– Roller für eine gute Show braucht.

Nicht nur auf der Bühne, denn der geschmeidige Poser kletterte über meterhohe Verstärker und Gitter in den Zuschauerraum und schrie dort vom höchsten Punkt, was quasi ein Höhepunkt war, dem begeisterten Publikum seine musikalisch verpackte Kritik am Kapitalismus ins Ohr.

Sie sind eben nicht „the average Rockband“ wie sie auf ihrer Internetseite betonen, sondern nutzen ihre Konzerte als politisches Forum. Ihre Musik soll nicht nur unter die Haut gehen, sondern ins Hirn – wollen sie doch ihr Publikum nicht nur im physikalischen sondern vielmehr im psychischen Sinne bewegen. „The things least satisfying are the things which cost“, so Dennis Lyxzén, der damit sicherlich nicht den Eintritt für das Konzert meinte.

In dem Booklet zu ihrer neuen CD finden sich neben einem Essay über Kapitalismuskritik zu jedem Song Zitate von Simone de Beauvoir, über Michel Foucault bis hin zu Karl Marx. Am Ende der Songtexte gibt es gleich noch die dazu passenden Literaturempfehlungen, da wird auch vor feministischen Theorien oder Themen wie Transsexualität nicht Halt gemacht. Ganz klar, „The (International) Noise Conspiracy“ haben einen politischen Anspruch.

Live wirken sie allerdings einfach nur wie eine coole Rock –n– Roll Band, die den ZuschauerInnen eine nette Zeit beschert. Ob die sich für die Texte interessieren und sogar den Literaturempfehlungen Folge leisten, steht auf einem anderen Blatt. Dort steht auch die Frage, inwieweit der Band ein Widerspruch zwischen Worten und Taten zu unterstellen ist. Immerhin verdienen sie mit der kapitalistischen Musikindustrie mehr als ihre Miete. Ihren Texten jedoch tut das keinen Abbruch.

Am Ende des Konzerts war das eh unwichtig. Da hieß es Abfeiern. Zu der Coverversion von „Blitzkrieg Bob“ der Ramones kamen die beiden Vorbands mit auf die Bühne. Musikalisches Opfer: Das am Boden zerstörte Schlagzeug. Egal. Schließlich war es ihr letztes Konzert in Deutschland, Ende des ersten Parts ihrer Europatournee – die Old-School-Rocker brechen auf in einen revolutionären Frühling.