Der Mehrteiler wird im Nachbarland scharf kritisiert. Das ZDF bedauert und der polnische Botschafter schwächt seine ursprünglichen Vorwürfe ab.von Gabriele Lesser

Szenenbild aus dem umstrittenen ZDF-Mehrteiler. Bild: dpa
WARSCHAU taz | Polens neuer Botschafter in Berlin, Jerzy Marganski, relativierte am Donnerstag seine zuvor scharf formulierte Kritik am dreiteiligen ZDF-Spielfilm „Unsere Mütter, unsere Väter“. Statt den schriftlich erhobenen Vorwurf an den Sender zu wiederholen, dass „der obskure Antisemitismus“ der polnischen Film-Partisanen diese „kaum von den deutschen Nazis“ unterscheide, verwies er im ZDF-Morgenmagazin nur mehr darauf, dass diese Szene nicht die „ganze Wahrheit“ widerspiegele
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Die Polen wüssten durchaus, so Marganski, dass es in den Reihen der Heimatarmee AK auch Antisemiten gegeben habe. Dies werde im Land auch breit diskutiert. Daneben habe es aber auch Menschen wie den Widerstandskämpfer Witold Pilecki gegeben, der freiwillig ins deutsche KZ Auschwitz gegangen sei, um mehr über die Zustände im Lager zu erfahren und den Widerstand im Lager zu organisieren.
Prof. Julius Schoeps, Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam und einer der wissenschaftlicher Berater des Filmes, stellte die umstrittenen Partisanen-Szenen im Film als „realistisch“ und „durch Dokumente belegt“ dar. Szenen wie die vor dem Zug, als einer der Partisanen über die in den Viehwaggons eingesperrten Juden sagt: „Juden sind genauso widerwärtig wie Kommunisten und Russen“ habe es in dieser oder ähnlicher Form in der Okkupationszeit in Polen gegeben. Im Film lassen die Partisanen den Zug mit den gefangenen Juden in der Hitze stehen, ohne die Türen zu öffnen.
„Die Polen fühlen sich ungerecht behandelt“, kommentiert Marganski. Die Zug-Szene sei deshalb kritikwürdig, weil sie ein Randphänomen zu einem Hauptcharakterzug der polnischen Widerstandskämpfer erkläre: Allerdings, das muss dann auch der Botschafter zugeben, verdankt der deutsche Jude Viktor letztendlich sein Leben den polnischen Bauern und Partisanen. Eine außerordentlich positive Rolle spielt im Film die ehemalige Zwangsarbeiterin Alina, die zusammen mit Viktor flüchtet, ihm das Leben rettet und ihn dann als Partisanin vor den anderen Partisanen schützt.
Zudem zeigte der Dokumentarfilm, den das ZDF im Anschluss an den Spielfilm ausstrahlte, authentisches Filmmaterial aus den Jahren 1941 bis 1945, kommentierten Zeitzeugen und Historiker den Vernichtungskrieg von SS und Wehrmacht, dem auch polnische Partisanen und Zivilisten zum Opfer fielen.
Dass durch Polen wieder einmal eine Hasswelle gegen die angeblich ewigen Nazis im Nachbarland schwappte, geht auf einen in allen Medien breit diskutierten Kommentar in Polens größter Tageszeitung Gazeta wyborcza zurück. „Wer erklärt den Deutschen, dass die AK nicht die SS ist?“ fragte Bartosz Wielinski die polnischen Leser und suggerierte, dass es im Nachbarland wohl niemanden gäbe, der dies tun könnte.
Den Historikern, die das Filmteam wissenschaftlich berieten, sprach der polnische Journalist jede Kompetenz ab. Die Deutschen wollten den Polen „sicher nicht mit Absicht einen Teil der Verantwortung für den Holocaust in die Schuhe schieben“, räumt er ein. Doch „Ignoranz und Dummheit“ seien weit verbreitet, ähnlich wie im Fall der deutschen Journalisten, die „ständig die fehlerhafte Formulierung 'Polnische KZ' verwenden“ würden.
Das ZDF bedauerte gegenüber Polens Botschafter, dass die Darstellung einiger Polen in der Serie „als ungerecht und verletzend empfunden“ würde, wies jedoch Vorwürfe einer Verfälschung der Geschichte zurück: „In keiner Weise sollten historische Tatsachen oder gar die Verantwortung der Deutschen relativiert werden.“
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