Mit einer großen Demonstration endet das Weltsozialforum. Mitbestimmung und Migration waren Schwerpunkte des internationalen Treffens.von Christian Jakob

Gäste des Forums demonstrieren zum Abschluss ihre Solidarität mit Palästina. Bild: dpa
TUNIS taz | Mit einer großen Demonstration ist am Samstag das zwölfte Weltsozialforum (WSF) in Tunis zu Ende gegangen. Die Organisatoren geben die Teilnehmerzahl des Treffens mit über 30.000 an.
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Das Forum stand in diesem Jahr unter dem Motto „Würde“, einem der Schlagworte der tunesischen Revolution. Die Zusammenkunft internationaler Nichtregierungsorganisationen habe denjenigen Gehör verschafft, deren Stimme man auf der Welt sonst nicht wahrnehme, so ein WSF-Sprecher.
Neben Entwicklungsfragen wie Nahrungssouveränität oder Migration war der Israel-Palästina-Konflikt eines der Schwerpunktthemen des Forums. Die Abschlussdemo fiel auf den palästinensischen „Tag des Bodens“. Bei ihrem Marsch durch die Innenstadt von Tunis skandierten die Teilnehmer „Befreit Gaza“ und „Nein zur Besetzung“.
Am Vorabend hatten sich die Globalisierungsgegner im großen Hörsaal der El-Manar-Universität versammelt. „Wir wissen, wer die Welt kaputtmacht“, rief eine brasilianische Vertreterin der Kleinbauernorganisation La Via Campesina auf der Bühne, „es sind sind die großen Konzerne, die Multinationalen. Ihre Macht zerstört alles, und deswegen sind wir hier.“
Zuvor hatte ein Via-Campesina-Sprecher die westlichen Agrarkonzerne scharf angegriffen: „Sie kaufen das beste Land, doch statt Lebensmittel für die Menschen produzieren sie Exportpflanzen, Biokraftstoffe oder Futtermittel für Fleischfabriken.“ Er rief die Landwirte auf, sich „weltweit zu vereinen, um ihr Land zu verteidigen“.
„Das Weltsozialforum hat in Tunesien bewiesen, dass es sich thematisch weiterentwickeln kann“, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt. Die Organisation ist als einzige deutsche Initiative im Internationalen Rat des Forums vertreten. Es sei eine richtige Entscheidung gewesen, in dem Land, in dem der Arabische Frühling begann, Menschenrechte und politische Mitbestimmung in den Mittelpunkt zu stellen, sagte Füllkrug-Weitzel. „Die Menschen sind enttäuscht, dass immer häufiger diktatorische Strukturen des alten Regimes wieder aufleben.“ Die Erfolge des demokratischen Aufbruchs seien in Gefahr.
„Für eine Woche war Tunis eine Hauptstadt der Welt“, sagte der tunesische Interims-Ministerpräsident Ali Larayedh bei einem Empfang anlässlich des Forums. Bei der gleichen Gelegenheit dankte Kamel El-Habib, Sprecher des lokalen Organisationskomitees, der Regierung dafür, „bestmögliche Bedingungen“ für das Forum geschaffen zu haben. Im Vorfeld des Forums war bekannt geworden, dass die WSF-Organisatoren der von der islamistischen Ennahda-Partei geführten Regierung „innenpolitische Neutralität“ zugesichert hatten.
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