gurke des jahrzehnts: die grünen

Es war 1991, da traten die letzten Linken aus den Grünen aus. Seitdem ist die Partei als politische Veranstaltung tot. Doch die Politiker leben weiter. Seit zehn Jahren sind wir gezwungen, ihnen beim Sterben zuzuschauen. Das heißt: zehn Jahre „Tote vor der Kamera“ – zehn Jahre Kuhn, Roth, Schlauch, Müller, Vollmer, Beer, Volmer, Pflaume, Trittin, Fischer. Zehn Jahre: ächzen und schwitzen, runzeln und fuchteln, mahnen und warnen. Zehn Jahre: neue Anzüge und neue Abendkleider. Zehn Jahre: Haare schneiden und färben. Zehn Jahre: Büros geschmackvoll einrichten. Zehn Jahre: Vorbereitung auf Kriegseinsätze. Zehn Jahre: Staatstragerei. Zehn Jahre: Survival of the Miesest, Blödest, Tötest. Allerdings: In jeder Bank, Uni und Redaktion werden solche Leichen nach oben geschwemmt. Viel unerträglicher ist eben doch: zehn Jahre Berichterstattung über die Grünen. Zehn Jahre: Zerreißprobe. Zehn Jahre: Was sagt die Basis? Zehn Jahre: Kampfabstimmung. Zehn Jahre: Es wird spannend. Zehn Jahre: Daniel-Cohn-Bendit-Interviews. Zehn Jahre: Huhuhu. Zehn Jahre: schnatter, schnatter. Zehn Jahre: Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber. Statt nur den einzigen vernünftigen Satz hinzuschreiben, der das Phänomen gültig beschreibt: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Nichts anderes. Und dann noch: zehn Jahre Idioten, die die Grünen scharf kritisieren. Zehn Jahre Idioten wie uns. Mit diesem Unfug muss endlich Schluss sein, denn es ist längst zu spät. Man lasse die Toten ihre Toten begraben. Auch ohne die Grünen werden die nächsten zehn Jahre für alle Beteiligten spaßig genug.