dieser verdammte krieg (xxxiv)

ROGER WILLEMSEN führt heute das Kriegstagebuch der taz.

Kann man Afghanen ruhig bombardieren?

Je länger der Krieg dauerte, desto heftiger begleitete die Rhetorik der Kriegsbefürworter die täglich massiveren Einsätze der Amerikaner. Seltsam, hat doch das Votum der Gegner keinen einzigen Einsatz wegdebattiert. Allenfalls als moralische Gewinner treten sie gegen die Bombardierung Unschuldiger auf, was andere meinen in Kauf nehmen zu müssen.

So eine Situation bringt leicht den Journalisten hinter dem Journalisten zum Vorschein. Plötzlich ist nicht mehr alles Pop, sondern Politik und persönlich. Schon aus journalistischen Gründen wünscht man sich, es wäre wieder Pop.

So bekennt sich der Journalist Peter Praschl in einem Internet-Kriegstagebuch zu dem Gedanken: Er befürworte den Krieg, denn eigentlich seien ihm die Menschen in Afghanistan egal. Und da er sich selbst gegenüber den imponierenden Mut dieses Geständnisses aufgebracht hat, dehnt er ihn gleich auf die Menschheit aus: Im Grunde findet er, sind allen Menschen die Afghanen egal, und daraus folgert er, darf man sie auch ruhig im Dienst der höheren Sache bombardieren.

Andere würden sagen, sie sind minderes, gewissermaßen unwertes Leben.

Stimmt. Mit dieser Moral kann man Zivilisten leichter zur Notschlachtung freigeben und die Basis schaffen für künftige Kollateralschäden, künftige Anschläge, den Abbau von Grundrechten zum Schutz der inneren Sicherheit etc.

Daran aber, wie sich die selbstbewusste Amoral zum höchsten moralischen Maßstab erhebt, erkennt man, wie weit sich der Krieg bereits auf das zivile Leben der Publizistik ausgedehnt hat.

MONTAG: Wiglaf Droste

Anmerkungen? unfried@taz.de