Gemauschel mit billigen Büchern

Die Firma Eurobooks betrog angeblich Autoren und Verlage um mehr als 250 Millionen Mark und ist jetzt zahlungsunfähig. Der Hauptgesellschafter sitzt bereits in Untersuchungshaft. Kommenden Montag soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden

In der Verlagswelt zeichnet sich ein spektakulärer Betrugsfall ab. Michael Lechner von Leheneck, Hauptgesellschafter des Billigbuch-Anbieters Eurobooks Germany, hat angeblich Autoren und Druckereien um weit über 250 Millionen Mark betrogen. In Köln ermittelt die Staatsanwaltschaft, mehrere Zivilklagen sind anhängig, Lechner sitzt wegen Betrugs in Schweizer Untersuchungshaft. Ob es in Deutschland einen Haftbefehl gibt, möchte die Staatsanwaltschaft Köln nicht sagen: „Das könnte die Ermittlungen behindern.“

Eurobooks Germany ist zahlungsunfähig, das Amtsgericht Freiburg eröffnet am kommenden Montag die Insolvenz. Einer Schweizer Holding und zahlreichen europäischen Tochterunternehmen – alle in der Hand von Lechner – geht es nicht besser. Von der Zahlungsunfähigkeit betroffen sind 35 Angestellte in Köln und Heitersheim. Dabei war Eurobooks groß im Geschäft – wenn man den Zahlen Lechners Glauben schenkte. 250 Millionen Mark Umsatz wolle er mittelfristig erreichen, hatte er im vergangenen Jahr noch in der FAZ angekündigt. Jetzt legt der Insolvenzverwalter die wahren Zahlen auf den Tisch: Eurobooks hatte zuletzt einen Jahresumsatz von 7,5 Millionen Mark.

Autoren, Angestellte und Lieferanten klagen gegen Eurobooks wegen Betrugs. Der Hauptgesellschafter Lechner habe Buchlieferungen in Millionenhöhe nicht bezahlt, Autoren um hohe Summen geprellt und die Angestellten hinters Licht geführt, so die Vorwürfe. Der Bundesverband Druck und Medien warnt vor Lechner und Eurobooks: Bloß keine Geschäfte eingehen!

Diesen Fehler hat zum Beispiel die MohnMedia aus Gütersloh gemacht: Wie im Vertrag festgelegt hat die Druckerei Bücher an Eurobooks geliefert. Auftragswert: stolze zwölf Millionen Mark. Lechner habe die Qualität der Lieferung bemängelt – und dann keinen Pfennig bezahlt, berichtet ein Unternehmenssprecher.

Dieses Muster scheint Lechners übliches Vorgehen zu sein: Seine Genfer Firma PLG Services SA forderte im Frühjahr von der belgischen Druckerei Brepols wegen angeblicher Lieferverzögerung sogar eine Vertragsstrafe von fünf Millionen Mark. Das dreiste Geschäftsgebaren strafte das Wiener Handelsgericht ab: PLG wurde zu knapp vier Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. Das Geld war bei PLG allerdings nicht einzutreiben. Inzwischen sammelt ein Anwalt in Genf Klagen gegen die so genannte Lechner-Gruppe. Von Slowenien bis Spanien reichen die Fälle.

Lechners Vorgehen war überaus geschickt. „Mich wundert, dass er erst jetzt ins Fadenkreuz von Staatsanwaltschaft und Kunden kommt“, sagt der Anwalt eines Klägers. Lechner habe Fehlbeträge und Aufträge zwischen seiner in ganz Europa verteilten Firmen hin und her geschoben. „Bilanzfälschung“, meint der Rechtsanwalt, der lieber nicht namentlich genannt werden möchte. Obwohl die Unternehmen in der Summe kräftig in die Miesen gerieten, schlug sich dies in den Bilanzen nicht nieder.

Insolvenzverwalter Thomas Kaiser bezeichnet die Struktur von Eurobooks als „äußerst kurios“ und „undurchsichtig“. So gibt es auch eine Holding in der Schweiz und eine Dependance auf Zypern. Letzeres könnte den Gläubigern zum Verhängnis werden: Zwischen der Bundesrepublik und Zypern gibt es kein Vollstreckungsabkommen. Sollte das Geld inzwischen in Zypern sein, ist schwer oder gar nicht heranzukommen. Vor vier Wochen hatte Lechner zwar angekündigt, das fehlende Geld an sein zahlungsunfähiges Unternehmen in Deutschland zu überweisen. Doch passiert ist bis jetzt nichts.