Ja, sie haben ihn endlich!

Scharping verhaftet – Gräfin dreht durch – Stoiber: „Bin stolz und erleichtert“

BERLIN taz ■ Gestern Abend wurde der verschlagene Mittfünfziger Rudolf Scharping endlich in seinem Pfälzer „House Of Love“ verhaftet. Zuvor hatte es Scharmützel zwischen Beamten des BKA und Scharpings Leibstandarte gegeben. Auch die Lebensgefährtin des Schwerenöters, Kristina Gräfin Pilati-Borggreve, griff in die Kampfhandlungen ein und feuerte unablässig Liebesschwüre ab. O-Ton Pilati-Borggreve: „Unsere Liebe ist stärker als zehn Serben-Generäle!“ Scharping selbst gab nur ein kurzes, zerknirschtes Statement ab: „Wir durften doch nicht wegsehen!“ Im Keller der Scharping-Villa wurde ein ganzes Arsenal von Waffen entdeckt.

O-Ton Gräfin Pilati-Borggreve: „Unsere Liebe ist stärker als zehn Serben-Generäle!“

Mit der Verhaftung erfüllte die kommissarisch eingesetzte Regierung unter Notkanzler Stoiber (erste Reaktion: „Bin stolz und erleichtert“) eine der zentralen Forderungen der internationalen Geber-Gemeinschaft. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bereits am vergangenen Donnerstag einen dramatischen Appell an die Weltöffentlichkeit gerichtet: „Keine Gnade für Scharping! Da müssen Köpfe rollen in Germanski.“

Die deutsche Notregierung, die sich im Steckrüben-Winter 2001/02 mit Hilfe der „Benzinwut“ des Volkes an die Macht geputscht hatte, will den ehemaligen Minister für Verteidigung und Greuelpropaganda aber vorerst nicht an den internationalen Gerichtshof nach Wladiwostok überstellen. Der deutsche Außenminister Joseph Fischer (CDU) erklärte auf einer eilig einberufenen internationalen Pressekonferenz: „Ich verabscheue Gewalt zutiefst. Ja, ich war bis 1999 militant. Aber ich habe in meinem Leben und aus der deutschen Geschichte zwei Dinge gelernt: Nie wieder Atomkonsens und nie wieder Bomben auf Serben! Wir Deutschen haben schmerzlich erfahren müssen, wie Gewalt die Gesichtszüge verzerrt. Aber wir haben die Pflicht, zunächst selber über diesen großen Verführer zu richten. Das ist nicht zuletzt eine patriotische Aufgabe.“ Die neue Polizeiministerin Angela Merkel (CDU) ergänzte leutselig: „Nun dürfen wir uns alle gemeinsam über das großartige Ergebnis freuen.“ Der kommissarische Bundespräsident Gregor Gysi (CDU) schob mit einem dicken Lob für die Ostdeutschen nach, ohne deren Einsatz beim „Wut-Marsch auf Berlin“ sicher keine zweite friedliche Revolution möglich gewesen wäre. Kritiker betonen allerdings, dass Scharping in der Bundesrepublik nur wegen „Belästigung in TV-Talkshows“ der Prozess gemacht werden kann. Aus dem österreichischen Exil meldete sich auch die „PRO-Moral“, eine Splitterorganisation der verbotenen SPD, zu Wort: „Wir erklären uns mit dem Rudi solidarisch. Er hat immer das Gute gesät und das Böse geerntet. Da kann keiner was für. Wir sind in diesen Konflikt hineingeraten, weil wir helfen wollten.“

Auch andere Ewiggestrige haben angekündigt, in Berlin Mahnwachen für den „Moralo-Bomber“ abzuhalten. Der Konsensbeauftragte der Notregierung, Gerhard Schröder (CDU), erklärte dazu im Spiegel: „Das sind Spinner, klar. Aber wir müssen diese Menschen zurückführen in die Gesellschaft. Sie dürfen eines nicht vergessen: Die Deutschen haben jahrelang unter einer sehr einseitigen Berichterstattung leiden müssen. Viele kommen da nicht mehr mit. Basta.“

Auch der halbrasierte Wolfgang Thierse zeigte sich erleichtert. In der ZDF-Sendung „Frontal 21“ erläuterte der schlagfertige Menschenfreund: „Wir sind alle glücklich über die jüngsten Enwicklungen. Deutschland hat mit der Verhaftung Scharpings bewiesen, dass es gewillt ist, seinen Beitrag zum Frieden der Völker zu leisten und den Weg der Erneuerung konsequent weiterzuverfolgen.“ Alles in allem darf man festhalten: ein guter Tag für Deutschland. GERALD FRICKE