Kein Kampfstier für den Kochtopf

Die Restaurantbesitzer rund um Spaniens Stierkampfarenen klagen. Seit Beginn der diesjährigen Saison kommt kein Kampfstierfleisch mehr in den Topf. Denn diese werden nach ihrem Auftritt verbrannt. Sie sind zu alt und gehören damit zur BSE-Risikogruppe. Da hilft es auch nicht, dass die Stiere in Freilandhaltung aufgezogen wurden.

Eine drastische Maßnahme, zu der das Landwirtschafts- und Ernährungsministerium griff. Spanien, das ähnliche wie Deutschland jahrelang daran festhielt, BSE-frei zu sein, hat seit November letzten Jahres die Seuche. 29 BSE-Fälle wurden registriert, seit die geschlachteten Tiere ernsthaft untersucht werden. 17 stammen aus der Nordregion Galicien, die bisher als Produzent von besonders hochwertigem Fleisch galt.

Spanien im Zeichen des Rinderwahns: Illegale Depots mit tiermehlhaltigen Futtermitteln. Tote Tiere, die in aller Eile in einer abgelegenen Mine verscharrt wurden. Gefälschte Papiere, die die Herkunft der Rinder vertuschen sollen. Und zuletzt wurden dann auch noch geheime Schlachthöfe entdeckt.

Die Verbraucher reagierten. Jeder Zweite, der einst Rind- und Kalbfleisch auf dem Speiseplan hatte, verzichtet nun darauf. Der Verkauf ging um 75 Prozent zurück. Die Ställe sind überfüllt und mangels Schlachtungen klagt selbst die Schuhindustrie über Ledermangel.

Die BSE-Krise wird so immer mehr zu einer Krise der Regierung. Während die Bauern mobil machen, beschränkt sich Gesundheitsministerin Celia Villalobos auf kulinarische Tipps, die sie bereitwillig bei Radiointerviews zum Besten gibt. „Ich koche die Fleischbrühe mit Schweineknochen. Das schmeckt auch nicht schlecht“, empfahl sie etwa. Auch von Landwirtschaftsminister Miguel Arias Cañete sind keine durchgreifenden Strukturveränderungen zu erwarten. Er hat selbst in die Stierzucht und die Fleischindustrie investiert.

Im Vorfeld der Agrarministertagung am Montag in Brüssel ist Arias Cañete nicht zu entlocken, was er von den Vorschlägen von Agrarkommissar Franz Fischler, das Subventionssystem umzustrukturieren, hält. Doch eines zeichnet sich ab: Spanien setzt auf Sonderhilfen der EU. Damit sollen die Viehzüchter über die Krise, die sie bisher 600 Millionen Mark kostete, hinweggetröstet werden. Außer der Massenschlachtung von älteren Rindern hat Madrid keine Pläne. Ein ökologischer Umbau, wie er in Deutschland angedacht wird, ist in Spanien nicht in der Diskussion. Und an der viel zu hohen Milchproduktion, die Mitschuld an dem Fleischüberhang hat, möchte Cañete nicht rühren. Immer wieder beruft sich Madrid hier auf die Agenda 2000. In dem EU-Haushaltsplan, der bis 2006 gilt, wurden alle Subventionen und auch die Milchquoten festgelegt. Daran darf auf keinen Fall gerüttelt werden.

„Wir warten, was in Brüssel herauszuholen ist, und dann wird entschieden, was wir selbst an Mitteln bereitstellen“, gesteht ein Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums ein. Bezahlen wird zum Schluss der Verbraucher. Eine Fleischpesete ist ebenso im Gespräch, wie die Senkung der Einkommensteuer für Landwirte und Metzger.