■ Spielberg erhält das Bundesverdienstkreuz für „Schindlers Liste“

Nicht elegant, aber richtig

Heute abend möchte der deutsche Bundespräsident Roman Herzog den amerikanischen Regisseur Steven Spielberg mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen. In Venedig, wo Spielberg gerade „Saving Private Ryan“, seinen Film über den Zweiten Weltkrieg, vorgestellt hat, äußerte er sich sehr zufrieden über Herzogs Entscheidung: „Wenn ich 1940 nach Berlin gegangen wäre, hätte man mich als Juden umgebracht. Jetzt bekomme ich einen Orden. Nicht schlecht!“ Den Orden bekommt er für „Schindlers Liste“ und die Gründung des Videoarchivs, das aus aller Welt Zeugnisse von Überlebenden des Holocaust sammelt und via Internet zugänglich macht.

Spielbergs Kritikern wird diese Auszeichnung süßsaure Bestätigung ihres schon vor dem Filmstart geäußerten Generalverdachts gegen den Hollywoodregisseur sein: Er präsentiere „Holocaust Light“, er zeige Errettung, wo nur Untergang war, und er zeige den guten Deutschen, wo es nur willige Helfer gab. Es fanden sich nicht wenige Stimmen, die noch weiter gegangen sind und Spielberg – speziell für die berühmte Szene in der Dusche von Auschwitz, bei der die gerade geschorenen Frauen vor Erleichterung aufschreien, als tatsächlich Wasser aus den Düsen strömt und nicht Gas – den Blick eines voyeuristischen SS- Mannes unterstellten.

An der Auseinandersetzung um „Schindlers Liste“ zeigte sich, daß es im wesentlichen zwei Optionen für den ästhetischen Umgang mit dem Holocaust gibt: Die eine plädiert für Nichtdarstellbarkeit, ausschließliche Hinwendung zu den Toten, Betonung der Singularität des Holocaust – die andere für Darstellbarkeit, Ermunterung zum Widerstand, Vergleichbarkeit mit aktuellen Situationen des Terrors.

Spielberg gehört zur zweiten Fraktion. Wenn er die Wahl hat, sein Publikum mit einem Requiem einzuschüchtern oder durch die Darstellung einer gelungenen Rettungsaktion zu ähnlicher Kühnheit in vergleichbaren Situationen zu ermuntern, wird er letzteres tun. Er hat nichts dagegen, wenn jemand, der in der Berliner S-Bahn sitzt und die Bedrohung eines Türken beobachtet, an den Straßenterror gegen Juden denkt – wenn es das braucht, um ihn zum Eingreifen zu veranlassen.

Spielbergs Filme – auch der jetzt mit solcher Häme übergossene „Private Ryan“ – sind Gesten, durchaus feierliche, die gedenken wollen, sich an die Toten wenden, aber vor allem an die Lebenden. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes mag nicht die eleganteste Art sein, ihm dafür einen Dank auszusprechen. Den Nachfahren der Täter steht sie trotzdem gut zu Gesicht. Mariam Lau