Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Eisbeutel für Scheherazade.

Camouflage d'amour

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Eisbeutel für Scheherazade.

Die Première Dame kann ihrem kleinen Präsidenten im Élysée Palast durchaus das Wasser reichen.  Bild: reuters

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Oh, oh, das war keine gute Idee, ein Tütchen zu rauchen, bevor mein Schatz nach Hause kommt. Nicolas ist total ausgeflippt! Er hat mich ein Hippiemädchen geschimpft, das des Amtes der Première Dame nicht würdig sei. Ich mache mich mit dem Pack aus den Vorstädten gemein, hat er gezetert und gemeint, ich müsse mich entscheiden, zwischen meinen Gossen-Freunden und ihm. Manchmal ist er doch ein arger Spießbürger, mein kleiner Franzose. Mit dem ist kein Staat zu machen. Ich kenne keinen Mann, der das so eng sieht.

Aber ich weiß ja, wie ich ihn bekomme … ich habe das Scheherazade-Kostüm angezogen, ihm ein altes persisches Lied gesungen und dazu getanzt. Dummerweise bin ich über seinen Pantoffel gestolpert und ganz furchtbar umgeknickt. Nun liege ich hier, mit Eiswickel am Knöchel und kann meinem Mann beim Schlafen zusehen. Toll. Doktor Leroc meint, ein paar Tage würde es wohl dauern, bis ich wieder auftreten kann. Zum Glück ist das Tonstudio im Keller. Ich werde mich vom Personal hinuntertragen lassen.

 

Cécilia, die alte Krähe hat ihre Hochzeit bekannt gegeben. Was ein Glück, dann bin ich sie vielleicht endgültig los! Will hoffen, dass es ihrem neuen Mann (den ich übrigens sehr charmant finde …) auch nicht passt, dass sie ständig hier anruft. Tatsächlich lässt sie ihr Kleid von Versace schneidern. Und das als Französin! Die Frau ist so eine Prolette!

 

Heute Nachmittag hat mich Mick (Jagger, Anm. d. Red.) angerufen. Von dem hatte ich ja ewig nichts gehört! Außer im Radio natürlich. Ich dachte, er lädt mich vielleicht zu einer Party ein - sein Siebzigster müsste ja bald mal sein - aber nein. Er rief wegen Eric (Clapton, Anm. d. Red.) an. Der hockt immer noch in der Psychiatrie und ist wohl recht ansehnlich verwirrt. Mick war bei ihm und schien wirklich geschockt. Er sagte, Eric redete nur von mir und bat mich, ihn zu besuchen. Er hatte mit dem Arzt gesprochen, und auch er ist wohl sehr dafür, dass ich vorbeikomme, um Eric "mit der Realität zu konfrontieren". Ehrlich gesagt, ich finde das recht frech, habe aber gesagt, ich überlege es mir. Mick hat mich dann tatsächlich noch um ein Autogramm von Nici für eine seiner Töchter angehauen, und auch das finde ich recht unverschämt. Ich habe gesagt, ich lass ihm was schicken und dann aufgelegt. Was denken sich die Leute eigentlich? Dass ich jetzt hier den Cheerleader mache, oder was?

Habe heute das karierte Reiterkostüm für unsere England-Reise bei Jean-Paul (Gaultier, Anm. d. Red.) abgeholt. Es ist wirklich sehr schön geworden. Ich habe gleich noch eines in Auftrag gegeben. Im Camouflage-Look. Falls wir mal nach Kuba müssen oder Somalia.

Montag, 10. 3. 2008

Glück gehabt, die Wahlen sind nicht so niederschmetternd gelaufen wie befürchtet. Allerdings haben die Linken deutlich zugelegt und Nicis Konservative vielerorts überholt. Dir, liebes Tagebuch, kann ich es ja sagen: Mich freut das. Ich bin, ich kann da nicht aus meiner Haut, eine Linke. Also nicht durch und durch, dafür bin ich wohl einfach zu reich - wahrscheinlich kann man nicht hundertprozentig links sein, wenn man wirklich wohlhabend ist, schließlich möchte man seine Hab & Gut ja behalten - aber so im Ansatz. Und über den Ansatz hinaus. Nici weiß das. Aber wir sprechen nicht drüber. Über die Inhalte schon, und ich tue auch mein Bestes, ihn aus seiner Aristokratenarroganzblase herauszuholen, aber ich sage ihm nicht, dass ich links wähle. Das würde ihn dann doch zu sehr treffen. Und ein wenig Loyalität kann er von seiner Ehefrau ja auch erwarten.

Jedenfalls hat er die Niederlage besser weggesteckt, als ich es erwartet habe. Sicher auch, weil Jean, sein Sohn aus seiner allerersten Ehe, tatsächlich den Einzug in den Rat des Départements Hauts-de-Seine geschafft hat. Das freut mich für Nici, macht es für mich aber sicher nicht leichter. Ich wollte das eigentlich nicht so breittreten, und auch Nicolas soll es nicht erfahren, aber diese miese Goldlocke setzt mir ganz schön zu. Er lässt keine Gelegenheit aus, mich zu demütigen und mir Unverschämtheiten entgegenzuhalten. Meist auf sexueller Ebene. Zur Hochzeit gratulierte er mir mit den Worten "Sie müssen in der Tat etwas ganz Besonderes sein, Madame. Normalerweise fasst Papa nichts an, das andere schon in ihren … - na ja, Händen hatten." Ich hätte ihm eine scheuern können, hab mich aber natürlich zurückgehalten. Das Letzte, was er brachte, war, mit einem Stapel des Fotos von mir zu kommen (das, auf dem ich nackt in Chanel-Stiefeln auf Lederpolstern liege) und zu fragen, ob ich die signiere. Für seine Kommilitonen … Ich werde mir etwas einfallen lassen müssen für diesen Satansbraten. So, jetzt muss ich mich aber sputen, Nici kommt gleich aus dem Bad. Ich höre ihn schon gurgeln.

SILKE BURMESTER

Die Wahrheit auf taz.de

 

Alles über die Bruni im Élysée-Palast und ihren Alltag mit Sarkozy. Auf der Wahrheit.

11. 03. 2008

Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Sonntags kürt sie bei Spiegel Online die „Helden der Gegenwart“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. für Die Zeit, das Zeit-Magazin, billige Studentenblätter und ja, sie macht auch PR. 2012 veröffentlichte sie „Beruhigt Euch“ ein Pamphlet gegen die Hysterie der Medien, 2008 „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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