■ Mit dem Zitronensäurekartell auf du und du

Bayers Absprachen

Berlin (taz/dpa) – Klüngeln kann teuer werden. Das haben die Manager des rheinischen Bayer-Konzerns in den USA gerade schmerzlich erfahren müssen. Die Konzerntochter Haarmann & Reimer stimmte zu, wegen eines Verstoßes gegen das US-Kartellrecht 50 Millionen Dollar Strafe (82 Millionen Mark) an das US-Justizministerium zu zahlen. Das ist die zweithöchste Strafe, zu der je ein Unternehmen wegen Kartellabsprachen verurteilt worden ist. Außerdem sicherte die Bayer-Tochter den US-Behörden die Zusammenarbeit bei der weiteren Aufklärung des Skandals zu. Die US-Behörden sind noch anderen Mitgliedern des Kartells auf der Spur.

Zuvor hatte das Unternehmen erklärt, sich vor einem kalifornischen Gericht in dem Fall schuldig zu bekennen. Auch der verantwortliche Manager Hans Hartmann werde sich schuldig bekennen. Schon im Dezember hatte die Bayer-Tochter nach Zivilprozessen 46 Millionen Dollar Schadensersatz an die Geschädigten überwiesen.

Von 1991 bis 1995 hatten Haarmann & Reimer mit den anderen Produzenten des Lebensmittelzusatzstoffs Zitronensäure ein weltweites Preis- und Marktabsprachekartell gebildet. Bei mehreren Treffen seien Preise und Produktionsmengen der einzelnen Unternehmen für Asien, Europa und Amerika festgelegt worden.

Die Säure dient als Geschmackszusatz und Konservierungsmittel für Erfrischungsgetränke, Lebensmittel, Medikamente und Kosmetika und wird mit einem weltweiten Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar im Jahr gehandelt.

Von den ungesetzlichen Absprachen seien Hunderte Haushaltswaren „und beinahe jeder Verbraucher in den USA“ betroffen gewesen, sagte der Chef der Antitrustabteilung des Justizministeriums, Joel Klein. „Diese 50-Millionen-Strafe ist eine klare Botschaft an alle Unternehmen weltweit“, erklärte US-Justizministerin Janet Reno. „Wir werden keine internationalen Geheimabsprachen hinnehmen, die zu Betrug an den amerikanischen Verbrauchern führen.“

Die in Stringfield (New Jersey) ansässige Bayer-Tochter gehört zu den Großen auf dem Zitronenesäuremarkt. Gemeinsam mit dem US-Chemiemulti Archer-Daniels-Midland und einer Tochter des Schweizer Hoffmann-La-Roche-Konzerns sollten die Preise hoch gehalten werden. Archer-Daniels-Midland hatte sich schon im Oktober schuldig bekannt und damals die höchste je verhängte Strafe, nämlich 100 Millionen Dollar, zahlen müssen. Und die Schweizer hatten in den vergangenen Monaten für ihre Beteiligung an dem Kartell Schadensersatz in Millionenhöhe an ihre Kunden geleistet. ten