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Achtung! Jung!

Jugendmagazin „Werk II“, Mittwoch, 0.15 Uhr, ZDF

Wie zuverlässig waren doch bisher die ZDF-Betthupferl: Wenn Stephan Derrick mittwochs den Tatverdächtigen zum Essen einlud, um ihn mit minimalistischer Mimik und Fragen gezielt zu ermüden, wußte der Zuschauer, daß die Uhr auch für ihn geschlagen hatte: Zeit, noch vor Sendeschluß den Weg ins Bett zu finden.

Jetzt scheint es mit der Nachtruhe vorbei zu sein. Das ZDF startet einen erneuten Großangriff auf die dahindämmernde Zielgruppe Jugend, die in der ersten Reihe sonst nur das Gähnen kriegt. „Werk II – die ZDF- Nachtschicht aus Leipzig“ heißt die mitternächtliche Sendung, die einmal pro Woche mit Kabarett, Musik und Talk die Quote wachhalten soll. „Abgedreht“, das Motto der ersten Sendung, war wörtlich gemeint, denn alle sechs Folgen der ersten Staffel sind vorproduziert. „Andersrum“ und „Grenzenlos“ bringen dann in Zukunft auf den Punkt, worum es am jeweiligen Themenabend geht. Aber das ist eigentlich auch egal und nur dem Moderator bekannt ...

Zwischen schwindelerregenden Kamerafahrten und Schaukelschwenks versucht Andreas Klinner im bewährten Fabrikhallen-Ambiente, seinen „skurrilen Gästen“ (Geschwister Pfister, Monty Arnold, Olaf Schubert) einen bundesweiten Auftritt zu verschaffen. Und etwas zu erfahren: Wie man Schallplatten aus Schokolade fertigt (warum sollte man das tun?). Warum Kinochefs keine Nadelstreifen tragen (darum nicht!). Und Gertrude Müller, die Leierkasten-Oma, verrät, daß man mit täglichem Stuhlgang 90 wird.

Der obligatorisch freche Ton greift manchmal allerdings öffentlich-rechtlich daneben. Eine Begrüßung mit den Worten „Schön, daß Sie da sind ...!“ konnte sich schließlich nur ein Hans Rosenthal erlauben. Und manche Anbiederung an die Gastgeberstadt wurde bisher nur von Marianne und Michael übertroffen („Sag lieber, was Leipzig hat, was London nicht hat!“ – „Das Werk II zum Beispiel.“ – „Ja, genau, super, und so ein tolles Publikum!“).

Egal, die Zielgruppe wird's mitnehmen, sofern sie nicht in der Disco den Donnerstag einleitet. Und wenn, gibt es ja auch noch die Generation mit Schlafstörung, die mit Gertrude Müller sicher einer Meinung ist: „Großartig, hab ick noch nie erlebt so wat, und so viel Jugend und so schöne lange Haare ha'm die alle, schööön!“ Dirk Nitschke