Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Eine winzige Erinnerung an Berlusconi.

Ponton der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Eine winzige Erinnerung an Berlusconi.

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Mittwoch, 9. 4. 2008

So geht das nicht weiter! Ich habe höchsten Respekt vor Nicis Arbeit, aber ich bin nicht gewillt, ständig irgendwelche Verbrecher zu bewirten. Erst Gaddafi, heute Abend Berlusconi. Die Fratze hatte sich selbst eingeladen, um Allianzen zu schmieden, für nach der Wahl. Dieses "Wir Aufsteiger müssen doch zusammenhalten"-Kumpanen-Getue. So ein Widerling! Ich hatte versucht, mich mit Kopfschmerzen zu entschuldigen, aber Nici bestand darauf, dass ich dem Essen beiwohne. Ich konnte ihm ja schlecht sagen, dass ich auch deshalb so angewidert bin, weil ich weiß, wie der Mann untenrum aussieht. Ich hatte es schon fast vergessen, dass ich das weiß. Ich bin mir auch nicht sicher, was da war, ich weiß nur noch, dass da was war. Auf irgendeiner Party von Edoardo (Agnelli, Spross der Fiat-Dynastie, Selbstmord im Jahr 2000) in den Neunzigern. Wir waren zu dritt, und ich erinnere mich, dass ich ziemlich erschrocken war, wie wenig da war. Egal, Berlusconi ist mit seinem erstarrten Gesicht auch so entsetzlich genug. Und diese platte Selbstgefälligkeit! Auf Nicis Frage - der ja außer russischem Wasser mit Putin wirklich nie Alkohol trinkt -, ob er einen Cognac wolle, grinst er verschwörerisch und sagt: "Das schönste Jäckchen ist doch das Cogn-jäckchen!" Ha, ha, ha! Was haben wir gelacht!

Den Hammer aber hat er aber vor dem Essen abgeschossen: Sein Handy klingelt. Er geht in die Ecke des Raumes, wendet sich halb ab, spricht italienisch und ist doch tatsächlich so dreist, zu bestätigen, dass zwei brünette Prostituierte für "wenn ich hier fertig bin" auch in Ordnung gingen. Ursprünglich sollte eine wohl blond sein. Als er sich umdreht, muss ich ihn so fassungslos angestarrt haben, dass ihm blitzartig einfiel, dass auch ich des Italienischen mächtig bin. Er grinste verlegen und murmelte irgendwas vor sich hin. Ich habe ihm direkt ins Gesicht geguckt, den Kopf ohne weiteres Wimpernzucken zu Nici gewandt und gesagt: "Ach Schatz, erinnere mich doch bitte daran, dass ich noch Shrimps bestellen muss!" Ich glaube, es hat gewirkt. Er war danach sehr leise und ist über das Cognac-Niveau nicht hinausgekommen.

Donnerstag, 10. 4. 2008

Was bin ich hier eigentlich?!? Dass ich die Anziehpuppe bin, die zu Repräsentationszwecken auflaufen und dem kleinen Präsidenten den Ruf retten darf, habe ich langsam verstanden. Nun aber soll ich hier als Geiselgattin etabliert werden! Weil es so gut geklappt hatte, Cecilia (die erste Frau Sarkozys, Anm. d. Red.) als die Retterin der bulgarischen Krankenschwestern zu inszenieren, soll nun ich morgen die von Piraten entführten Segler in Empfang nehmen. Nicht nur, dass ich mich neulich mit den befreiten Farc-Geiseln fast zu Tode gelangweilt habe (vielleicht sind die so fade geworden, weil die Kidnapper humorlos waren), nein, jetzt soll ich auch noch den Geretteten auf einem Ponton im Meer entgegenschwimmen. Von Kamerakränen umrankt, selbstverständlich. Manchmal frage ich mich, was die hier in Frankreich eigentlich für ein Frauenbild haben. Als Nächstes werden sie mir wohl vorschlagen, mich im Rahmen einer Homestory in der Küche, umgeben von Köchen, fotografieren zu lassen.

Donnerstag, 10. 4., 17 Uhr

Ich glaube, ich bin verhext. Egal, wo ich hinkomme, überall düddelt Erics (Clapton, Anm. d. Red.) schreckliches Gequake. Im Taxi, im Wartezimmer meines Gynäkologen, im Showroom von Givenchy. Manchmal glaube ich, er verfolgt mich durchs Radio.

Freitag, 11. 4. 2008

Mein Nacktfoto hat 91.000 Dollar gebracht. Alles andere wäre ja auch peinlich gewesen. Vorher lächerliche 3.000 Dollar Schätzpreis! Ein unbekannter chinesischer Kunstsammler hat es gekauft. Hi, hi, hi, von wegen! Ich habe es gekauft! Die Vorstellung, dass es wie Sauerbier angeboten wird: "Will denn keiner mehr bieten, für das Aktfoto von Carla Bruni? 2.000 zum Ersten! Da höre ich 2.050!" Nein, das ist ja ganz unmöglich! Was ein Glück, dass ich so reich bin. 91.000 Dollar für meine Ehre. Das ist geradezu ein Schnäppchen!

Montag, 14. 4. 2008

Jetzt bin ich schon drei Monate verheiratet! Drei Monate! Das ist so eine Art magische Zahl. Früher war es schon etwas Besonderes, wenn ich es ausgehalten habe, drei Monate lang mit ein und demselben Mann ins Bett zu gehen. Und jetzt das! Aber es ist schön. Noch immer. Ich gebe zu, dass unsere Ehe nicht mehr das ist, was sie am Anfang war, aber das aufregende Leben als Première Dame hilft, den blätternden Lack zu kompensieren.

Apropos Lack: Ich habe meinem kleinen Präsidenten zu unserem Jubeltage ein Paar Krokoschuhe machen lassen. Er hat sich sehr gefreut, meint aber, sie nur im Garten tragen zu können, weil er doch nicht länger als "Präsident Bling-bling" gelten will. Natürlich bin ich enttäuscht und habe eingewandt, dass das übertrieben sei, schließlich guckt ihm ja keiner auf die Füße. Da schaut er zu mir hoch und sagt: "Doch, Liebes. Alle gucken auf meine Füße."

Die Wahrheit auf taz.de

 

Alles über die Bruni im Élysée-Palast und ihren Alltag mit Sarkozy. Auf der Wahrheit.

15. 04. 2008

Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Sonntags kürt sie bei Spiegel Online die „Helden der Gegenwart“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. für Die Zeit, das Zeit-Magazin, billige Studentenblätter und ja, sie macht auch PR. 2012 veröffentlichte sie „Beruhigt Euch“ ein Pamphlet gegen die Hysterie der Medien, 2008 „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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