Personenführung #74: Andreas Rüttenauer

Spitzentazler und Pfundskerl

Auch wenn er bald nicht mehr Chefredakteur ist, Andreas Rüttenauer bleibt der taz erhalten. Zum Glück!

Andreas Rüttenauer, ein Pfundskerl, ein Spitzentazler. Bild: Anja Weber

So einen Satz kann in der taz nur einer sagen: „Eine gute Zeitung ist wie ein gutes Bier.” Im aktuellen Werbespot für das taz.panterbräu sieht man Chefredakteur Andreas Rüttenauer vor dem taz-Café in der Rudi-Dutschke-Straße sitzen, Bier trinken und sinnieren. „So ein Schmarrn!”, lacht er selbst über die gelungene Persiflage.

„Er hätte dieser Tagen  guten Grund gehabt, einfach sofort alles stehen und liegen zu lassen“

Seit dem 1. April 2014 war Andreas gemeinsam mit Ines Pohl gleichberechtigter Chefredakteur der taz gewesen.

Seine ruhige bayerische Art und sein Humor konnten mitunter darüber hinwegtäuschen, wie viel er in dieser Zeit bis an die Grenzen der eigenen Gesundheit für das Projekt taz geackert hat.

Drei Sonderproduktionen hat er begleitet, in Sechs-Tage-Wochen Europataz, Gedönstaz und Kirchentaz-Seiten organisiert und produziert. Die Reform der Wochenendausgabe zur taz.am wochenende gehört zu seinem Erbe als Chefredakteur.

Seit Wochen begleitet Andreas  die Einführung des neuen Redaktionssystems in der taz, und selbst an dem Tag, als er erfuhr, dass er der neuen Chefredaktion ab dem 15. September nicht mehr angehören wird, ist er nach Hamburg gefahren und hat mit den KollegInnen der taz.nord die Probleme der Umstellung besprochen. 

Jahrelang war Andreas als Kabarettist durch Deutschland getingelt, insbesondere durch seine bayerische Heimat. Dann hatte er Lehrer werden wollen, dann besser doch nicht.

Zum Glück ist er beim Journalismus gelandet, schrieb seit 2001 für die taz, wo er ab 2006 die Sportredaktion verstärkte. Zum Chefredakteur berufen, behielt er seine Art bei: Es gibt nicht viele leitende Redakteure, die ihre Funktion so bescheiden und bodenständig wahrnehmen wie Andreas.

Andreas hätte in diesen Tagen  guten Grund gehabt, einfach sofort alles stehen und liegen zu lassen. Aber so ist der Mann nicht gestrickt. Noch bis zum 15. September führt er die Geschäfte der Chefredaktion weiter.

Danach kann er endlich wieder mehr schreiben. Und: Er wird die neu zu gründende Medien- und Ideenwerkstatt in der taz leiten,  mit uns nachdenken über Ideen, über die Zukunft. Gern auch nach Feierabend, bei einem Glas Panterbräu. Prost, Andreas, danke für all deine Arbeit! Toll, dass du bei uns bleibst! 

BERND PICKERT arbeitet als Amerika-Redakteur im taz-Auslandressort und ist taz-Experte für den Kampfsport Mixed Martial Arts.