: Lokalkoloratur: Ulrich Hesse
LOKALKOLORATUR
Heute scheint es selbstverständlich, Schüler spielen Theater, Stücke vor großem Publikum manche machen damit sogar Abitur. Einer, der in Hamburg entscheidend mit dafür gesorgt hat, daß „Darstellendes Spiel“ eines Unterrichtsfach ist wie andere auch,ist Ulrich Hesse. Nach 40 Jahren Schuldienst, davon 24 an der Gesamtschule Horn, geht der Lehrer für Deutsch, Sport und Geschichte jetzt in Rente. Mit dem Stück „Wenn du ein anderer bist“ - in Anlehnung an Kaspar Hauser - verabschiedete er sich am Freitag abend von seinen ehemaligen Schülern, die in zwei Jahrzehnten unter seiner Regie manchesmal Blut und Wasser schwitzten. So richtig Schauspieler ist kaum einer geworden, aber darum ging es auch nie, sagt Hesse. Das Wahlfach Theater sei vor allem deshalb so beliebt, weil es den ganzen Menschen anspreche, Kopf wie Körper gefragt seien. Und im Unterschied zu anderen Fächern werde hier eine Sache beendet und der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Erfolgserlebnis, das haften bleibt.
Hesse, der zu Beginn der 70er die Landesarbeitsgemeinschaft für Schultheater mitgründete und erste Lehrpläne entwarf, machte aus seinem Abschied einen Rückzug in Etappen: Zunächst kehrte er Mitte der 80er dem quirligen Schulbetrieb den Rücken und lehrte am Institut für Lehrerfortbildung. Dann wurden ihm die Erwachsenen zu langweilig, zog es ihn noch mal für zwei Jahre an die Horner Schule zurück. Mit Schülern zu arbeiten habe ihm immer mehr Spaß gemacht, sagt der Pensionär. Der Charme des Schultheaters liege gerade darin, daß es sich Ausdruckmittel bediene, die das fertige, professionelle Theater nicht mehr hat. kaj
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