Iran Frauenreise

Programm der Reise

vom 21. Sept. bis 5. Okt. 2019

Im Basar-Viertel von Teheran Bild: Joachim Wieshofer

1. Tag

Die Anreise beginnt am Nachmittag von verschiedenen Flughäfen nach Istanbul, dort trifft sich die Gruppe am Abfluggate des Turkish Airline-Fluges nach Teheran. Bei der Ankunft ist Mitternacht schon vorbei.

2. Tag

Teheran ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Irans. Genau deshalb ist die kosmopolitische iranische Hauptstadt der geeignete Ort für den Beginn unserer Reise. Während unserer Tage in Teheran werden wir der Frage nachgehen, was das Bild der modernen iranischen Frau ausmacht? Aus welchen Facetten ist es zusammengesetzt und wo sind die Bruchstellen?

Beim Besuch der privaten Fotosammlung des Qadscharenkönigs Nasseredin Shah im Golestan-Palast (Weltkulturerbe) fragen wir uns, was hat das politische Geschlechter-Rollenbild des iranischen 19. Jhr. geprägt und wie hat es sich bis zur Revolution von 1979 verändert?

Golestan-Palast in Teheran Bild: Thomas Hartmann

Im Anschluss bummeln wir durch den riesigen Basar von Teheran. Bei einem Treffen mit der Vereinigung berufstätiger Frauen lernen wir mehr über die moderne iranische Karriere-Frau. Und wir finden heraus, wie eine Schriftstellerin und eine Modedesignerin mit den offiziellen Vorschriften und Zensuren umgehen.

3. Tag

Heute geht unsere Entdeckungsreise in Teheran weiter. Dabei beschäftigen wir uns besonders mit der Frage, wie der staatlich gelenkte Diskurs das Rollenbild im öffentlichen Raum seit der Revolution zu manifestieren sucht und wie Teheranerinnen solche Räume kreativ umfunktionieren. Dazu fahren wir im ‚Women-Only‘ Abteil der Metro zum Taleqhani-Park, schlendern durch den Park und nehmen wahr, wie sich Familien, befreundete Teenager oder Sportreibende im Park verhalten.

Schließlich gelangen wir zur Tabiat-Brücke. Hier bietet sich uns nicht nur ein spektakulärer Blick auf die Skyline von Teheran, sondern auch das Konstrukt als solches interessiert uns. Die Brücke wurde nämlich von einer damals noch jungen iranischen Architekturstudentin entworfen und steht damit für eine neue Generation von Iranerinnen. Geplant ist ein Treffen mit einer Architektin, wo wir die Möglichkeit haben, die Frage zu erörtern, wie Frauen sich in einer auch in Iran von Männern dominierten Branche zurechtfinden.

Das Werk einer jungen Architektin: die Tabiat-Brücke verbindet zwei Parks über einer Stadtautobahn. Bild: Heiko Brötje

Im Anschluss beschäftigt uns das Thema öffentlicher Raum und Gender weiter. Wir besuchen einen vor wenigen Jahren eröffneten ‚Women-Only‘-Park. Verhalten sich Iranerinnen anders, wenn sie unter sich sind? Außerdem treffen wir heute weitere Vertreterinnen aus der vibrierenden Kunst-Szene Teherans.

4. Tag

Auf dem Weg mit unserem Kleinbus nach Nordwesten besuchen wir die ehemalige Königsstadt Qazwin, wo ein Teil des alten Basars zu neuem Leben erweckt wurde. Weiter geht es einmal quer durch das imposante Elburzgebirge in die landwirtschaftlich geprägte Provinz Gilan, die Tee- und Reiskammer Irans.

Fernab von den großen Metropolen Irans, spielen Frauen in der Landwirtschaft der Region seit jeher eine tragende Rolle. Am Abend genießen wir heute bei Rasht die herrliche gilanische Küche in einem traditionellen Landhaus. Von der Gründerin des Hauses, können wir vielleicht ein paar Tricks zur alten Handwerkskunst des Flechtens lernen, welches sie famos beherrscht.

Gartenpavillon in Qazwin, der ersten Hauptstadt der Safawiden-Herrscher Bild: Farah Hosseinipur

5. Tag

Wir fahren an der Küste des kaspischen Meeres entlang in Richtung der Provinz Mazanderan. Unterwegs besichtigen wir eine Tee- oder Reisplantage in Lahijan und treffen Reis- oder Teepflückerinnen zu einem Gespräch über das Leben und die Traditionen auf dem Land.

Weiter geht es nach Dari Kandeh. Dort besuchen wir ein Museum, das den Arbeiten der kürzlich verstorbenen, international ausgezeichneten Künstlerin Mokarrameh Ghanbari gewidmet ist. Frau Ghanbari hat im Alter von 63 und ohne jegliche Vorerfahrung mit dem Malen begonnen. Ihre Werke, die sich durch die lebhaften Farben Nordirans auszeichnen wurden dennoch schnell über Iran hinaus bekannt.

Unser Abendessen teilen wir heute mit einer mazanderanischen Familie. In entspannter Atmosphäre erfahren wir hautnah das iranische Familienleben. Übernachtung in Sari.

6. Tag

Wir setzen die Fahrt fort nach Gorgan, der Hauptstadt der grünen Provinz Golestan (Golestan bedeutet Blumenhain). Hier treffen wir eine tatkräftige Pionierin der iranischen Kinderpädagogik. Sie betreibt ein Kindergartenprojekt und engagiert sich im „Verein der Freunde der Kinder von Golestan“. Wie sieht sie die Chancen der Kinder in Iran?

Pilgerinnen vor dem Schrein eines verehrten Sufi-Scheichs Bild: Hartmut Niemann

Wir übernachten in einem Hotel in Gorgan.

7. Tag

Heute unternehmen wir einen Ausflug in eine vollständig von sunnitischen Turkmenen geprägte Umgebung – und kommen abends wieder in unser Hotel in Gorgan zurück.

Unser Tagesziel ist die Grabanlage des vorislamischen Propheten Khaled Nabi, der von der lokalen Bevölkerung noch immer Verehrung erfährt. Der umliegende antike Friedhof zeichnet sich durch die markanten Grabsteine aus, die in Form von Geschlechtsteilen in der weiten Ebene stehen. Was hat es damit auf sich? Vom Hügel des Khaled Nabi aus genießen wir auch das unvergleichliche Panorama über die Turkmenensteppe. Unterwegs besichtigen wir ebenfalls den riesigen Grabturm von Gonbad-e Qabus (Weltkulturerbe).

8. Tag

Nach dem Frühstück fliegen wir in die Millionenmetropole Mashhad im Osten des Landes, seit jeher ein zentraler Ort religiöser Gelehrsamkeit. Bei einem Besuch des Mausoleums von Imam Reza, des 8. Imams der Shi'iten, spüren wir dem religiösen Geist der Schia nach. Hier werden wir auch Gelegenheit haben, mehr über die Unterschiede von Schiiten und Sunniten zu erfahren.

Das Mausoleum von Imam Reza in Mashhad ist die wichtigste schiitische Pilgerstätte in Iran Bild: Archiv

Was zieht Frauen an diesen religiösen Ort, was bringt sie dazu, die aus westlicher Sicht so patriarchale Religion zu studieren. Antworten hierauf finden wir vielleicht beim Besuch eines internationalen Islamischen Seminars für Frauen.

Übernachtung in einem Hotel in Mashhad.

9. Tag

Wir nutzen einen zweiten Inlandsflug, um die Weiten Khorasans zu überwinden. In Kerman angekommen, fahren wir zunächst in die Stadt und schauen uns den wunderschönen Basarkomplex aus dem 17. Jahrhundert an. Dabei werfen wir auch einen Blick in das frisch restaurierte, in ein Museum umgewandelte Frauenbadehaus der Stadt.

In Kerman werden wir ebenfalls die Gelegenheit wahrnehmen, örtlichen Teppichknüpferinnen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Außerdem treffen wir Vertreterinnen einer NGO, die sich für den Erhalt des antiken Wasserversorgungssystems in der Wüstenregion einsetzt und altes Kunsthandwerk als Erwerbsmöglichkeit für Frauen aus den Dörfern rings um Kerman revitalisieren.

Nachmittags Weiterfahrt nach Bam, wo wir rechtzeitig zum Abendessen ankommen und direkt zum Hotel fahren.

Die Lehmbau-Architektur der Stadt Bam, 2003 durch ein Erdbeben stark beschädigt, wird restauriert. Bild: Hartmut Niemann

10. Tag

Bam wurde 2003 von einem verheerenden Erdbeben verwüstet. Bei einem Orientierungsspaziergang schauen wir uns zunächst die berühmte, zu Teilen wieder restaurierte Festungsanlage Arg-e Bam (Weltkulturerbe) an.

Danach haben wir die Möglichkeit, iranische Fußballerinnen zu treffen. Was bedeutet der Sport für die Frauen – besonders in der Stadt, die auch 15 Jahre nach dem Erdbeben noch mit dessen Folgen zu kämpfen hat?

Gegen Mittag fahren wir wieder zurück Richtung Kerman. Allerdings ist unser heutiges Etappenziel Mahan, eine Kleinstadt vor Kerman, wo wir auch übernachten werden. In Mahan schlendern wir zunächst durch den Shazdeh-Prinzengarten (Weltkulturerbe), eine wahre Oase mitten im kargen Ödland.

Außerdem besuchen wir das mit seiner wunderschönen blauen Kuppel gekennzeichnete Mausoleum des Mystikers Nematollahi Vali. Je nach Möglichkeit richten wir ein Treffen mit Frauen der heute größten schiitischen Sufi-Gemeinschaft ein. In jedem Fall wird hier ein guter Anlass sein, um mehr über die Mystik im Allgemeinen und die Lage religiöser Minderheiten in Iran zu erfahren.

Yazd, ein traditionelles Haus mit Windtürmen Bild: Anne Quirin

11. Tag

Von Mahan aus fahren wir heute etwa 400 km mit dem Bus in die Weltkulturerbe-Stadt Yazd. Unterwegs machen wir einen kurzen Stopp in Mehriz, um uns den Pahlavanpour Garten (Weltkulturerbe) nicht entgehen zulassen.

Am Nachmittag kommen wir in Yazd an. Nach etwas Erholung treffen wir uns abends, um in einem sogenannten Krafthaus (Zurkhane) an einem traditionellen Sportevent (immaterielles Welterbe) teilzunehmen.

12. Tag

Morgens besichtigen wir in Yazd die Türme des Schweigens (Weltkulturerbe), wo wir unseren Einstieg in die Glaubensvorstellungen der Zoroaster finden. Was brachte die Menschen dazu, ihre Toten von den Geiern abweiden zu lassen und was hat das mit Reinheit zu tun? Im zoroastrischen Feuertempel sowie bei unserem Treffen mit Anhängerinnen der Glaubensgemeinschaft im Markar-Museum werden wir mehr über eine der ältesten monotheistischen Religionen erfahren.

Isfahan. Kuppel in der Lotfallah-Moschee Bild: Michael Schulte

Nach einem Mittagssnack besichtigen wir die alte Freitagsmoschee von Yazd (Weltkulturerbe), mit ihren auffälligen höchsten Minaretten des Landes. Im Anschluss können wir gemeinsam oder individuell die Gassen der wunderschönen Wüstenstadt erkunden.

Zum Sonnenuntergang treffen wir uns alle zu einem frisch gepressten Granatapfelsaft oder Kaffee auf der Dachterrasse des Arthouse-Cafés, das von einem jungen Künstlerpaar betrieben wird. Von hier aus bietet sich jedenfalls ein unwiderstehlicher Blick über die Lehmdächer und die blauen Kuppeln der Wüstenstadt.

13. Tag

Heute fahren wir in Richtung unserer letzten Reiseetappe, nach Isfahan. Doch es gibt keinen Grund zur Traurigkeit – es wartet ein absolutes Highlight auf uns!

Isfahan, auf dem großen Platz Meydan-e Emam Bild: Hartrmut Niemann

Endlich in Isfahan angekommen, stillen wir zunächst einmal unsere Neugierde auf den berühmten Imam-Platz (Weltkulturerbe). Wir besichtigen die beeindruckenden Moscheen am Platz sowie den Chehel-Sotun-Gartenpalast, einen der Empfangspaläste der Safawidenkönige. Danach haben wir Gelegenheit unsere Sinne im Basar von Isfahan anregen zu lassen.

14. Tag

Bevor wir uns langsam von Iran verabschieden, haben wir noch einem einen spannenden Tag vor uns. Auf unserem Weg ins armenische Stadtviertel Neu-Jolfa, spazieren wir gemeinsam über eine der beeindruckenden Brücken am Zayandeh Rud.

Auf der anderen Seite angekommen, besichtigen wir die Vank-Kathedrale, die durch ihre Mischung aus venezianisch, orthodox und iranisch geprägten Wandmalereien besticht. Wie leben iranische Armenierinnen ihren Glauben? Wir werden dies bei einem Treffen mit armenischen Frauen erfahren.

Nach einem Mittagssnack statten wir dem Musikmuseum einen Besuch ab, das vor drei Jahren von jungen Isfahanern auf eigene Initiative gegründet wurde. Dort werden wir mit Musikerinnen über ihr Handwerk und ihre Möglichkeiten in der Islamischen Republik sprechen.

Isfahan: im Garten-Café des schicken Hotels Abbasi, eine ehemalige königliche Karawanserei Bild: Wolfgang Zügel

Bei einem weiteren Treffen lassen wir unsere Reise entspannt ausklingen. Wir besuchen ein iranisch-deutsches Sprachinstitut, oder besser gesagt, die Sprachschülerinnen vor Ort, die sich auf einen regen Austausch mit uns freuen. Die perfekte Gelegenheit, um erfahren, wie iranische Studentinnen ihr Leben gestalten.

15. Tag

Der Rückflug über Istanbul beginnt früh am Morgen. Am frühen Nachmittag werden alle Reisenden wieder an ihrem Wohnort ankommen.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich.Stand: 2.2.2019

Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.