• 09.06.2008

Jusos buhlen um soziale Bewegungen

Rot-Rot-Grüne betonen Differenzen

Auf ihrem Zukunftskongress suchen die Jusos Beistand bei sozialen Bewegungen, Grünen und Linke für ihren Antikapitalismus. Doch den will ihnen keiner so recht abkaufen.von CHRISTIAN SALEWSKI

Will "mehr sein als Plakatkleber der Mutterpartei": Franziska Drohsel  Bild:  ap

Den Antrag wird sie unausgefüllt lassen. Mit einem gequälten Lächeln blickt Franziska Drohsel, Vorsitzende der Jusos, auf das Papier, das ihr hingehalten wird. "Ich hab dir mal eine Beitrittserklärung für die Rote Hilfe mitgebracht", sagt Silvio Hamann von der Antifaschistischen Linken Berlin. "Dein Austritt war sehr unsolidarisch", legt er nach. Drohsel war, kurz nachdem sie Bundesvorsitzende der Jusos geworden war, auf Drängen der SPD-Führung aus der Roten Hilfe ausgetreten. Ein Großteil der etwa 250 Delegierten des Juso-Kongresses "Für eine Linke der Zukunft" jubelt. Klarer Punktgewinn für den Antifa-Vertreter.

Eine Szene, die symptomatisch ist für das Verhältnis der Jusos zu den außerparlamentarischen Bewegungen. Egal ob DGB-Jugend, Attac oder eben die Antifa, die Jugendorganisation der SPD kritisieren sie auf deren Kongress in Berlin allesamt. Dabei ist es eigentlich das erklärte Ziel der Jusos, sich "in den sozialen Bewegungen wieder stärker zu verankern". So steht es in den "Thesen zu jungsozialistischer Politik", um die es auf dem Kongress geht. Doch in der Praxis funktioniert das nur begrenzt.

Das gilt auch für den anderen Teil der von den Jusos ausgerufenen "Doppelstrategie": die klassische Parteiarbeit. Viel ist über das angeblich so gute Verhältnis der Jungen in den linken Parteien geschrieben worden. Angeblich sind die Differenzen zwischen ihnen weniger stark als zwischen Kurt Beck, Renate Künast und Oskar Lafontaine. In Berlin ist davon nichts zu merken. Julia Seeliger vom Parteirat der Grünen und Jan Korte, Bundestagsabgeordneten der Linkspartei, sitzen auf dem Kongresspodium. Es soll eine kuschlige Runde werden, aber es wird ein offener Schlagabtausch.

Wie eine gesellschaftliche linke Mehrheit zu einer parlamentarischen werden könnte, dazu gab es wenig zu hören. Zu gravierend waren die inhaltlichen Differenzen. Drohsel erklärte beispielsweise, die Grünen betrieben "ökologische Klientelpolitik", bei der sie häufig jede soziale Dimension vermissen ließen. Seeliger griff den Pazifismus der Linkspartei an: "Natürlich will ich von den Vereinten Nationen mandatierte Kriegseinsätze." Und Korte stänkerte durchweg gegen die "rot-grüne Agenda-2010-Politik".

Dabei ist Rot-Rot-Grün die einzige Konstellation, in der sich die Forderungen der Jusos überhaupt diskutieren ließen. Auf dem zweitägigen Kongress positioniert sich die sozialdemokratische Parteijugend konsequent antikapitalistisch. "Die Zeit ist reif für eine linke Politik, eine Politik des ,There is no alternative' ist für uns nicht akzeptabel", rief Drohsel den Delegierten in ihrer Eröffnungsrede zu. Sie sprach von der "Brutalität, mit der die kapitalistische Verwertungslogik auf die Menschen wirkt". Ziel der Jusos sei eine grundlegende Überwindung des Bestehenden. Dass die Jusos die SPD mit derartigen Positionen links überholen, hat Tradition. "Wir wollen mehr sein als die Plakatkleber der Mutterpartei", rief Drohsel in den Saal. Der Jubel war an keiner anderen Stelle ihrer Rede lauter.

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!