Über das Uran in einem französischen Fluss lachen die Tuareg in Niger bestenfalls. Was mit den Emissionen der Uran-Minen im Niger passiert, ist der permanente Skandal.von REINER METZGER

Reiner Metzger ist stellvertretender Chefredakteur der taz. Foto: taz
In einer großen Atomanlage in Südfrankreich sind einige Kubikmeter mit Uran angereicherte Lösung ausgetreten. Weil auch das Auffangbecken nicht funktionierte, ist das verseuchte Wasser in den für die Abwässer vorgesehenen Fluss gelangt. Je nach Angaben 75 oder 360 Kilogramm Uran insgesamt, ein giftiges Schwermetall, schwach radioaktiv und Krebs auslösend. Die Behörden machten der Öffentlichkeit den Unfall erst einen halben Tag später bekannt. Ein ganz normaler Atomzwischenfall quasi: Vertuschen, ablenken und aussitzen, das sind ja bewährte Methoden in der Branche.
Nun wurde zwar kurzfristig in dem Fluss eine Urankonzentration 1.000-mal über Normalwert gemessen, aber eine Katastrophe war der Unfall nicht. Das Zeug wird sich in den Sedimenten der Flüsse absetzen und vielleicht noch in dem ein oder anderen Fisch zu finden sein. Da können wir zynisch und kühl bleiben, auch wenn dann vielleicht irgendwann ein Angler noch Krebs bekommt, weil er einen Fischs nebst dem darin angereicherten Uran verspeist hat.
Eine Katastrophe ist allerdings wie meist bei der Atombranche der Normalbetrieb. Nicht nur dass eine Atomanlage konstant Radioaktivität an die Luft und das Wasser abgibt. In diesem Fall lohnt es sich, das Uran näher ins Auge zu fassen, den Brennstoff aller AKWs. Im Falle Frankreichs kommt es zu einem Drittel aus dem Niger. Dort wird es in Minen gefördert - im Tagebau und unter Tage wie bei der ehemaligen Wismut AG in Thüringen und Sachsen. Die Wismut hinterlässt tausende Tote und Krebskranke, der deutsche Uranbergbau wurde für gut 6 Milliarden Euro verschlossen, und die Spätfolgen wurden so weit eingedämmt wie möglich. Die Kosten trug der Steuerzahler. Was mit dem Abraum und den Emissionen der Minen im Niger passiert, interessiert ein paar Anwohner, doch die sind den Stromproduzenten und -konsumenten in den Abnehmerländern egal. Auch wenn der Abraum noch ein paar tausend Jahre strahlt. Das ist der permanente Störfall und der permanente Skandal. Über das Uran in einem französischen Fluss lachen die Tuareg in Niger bestenfalls.
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Leserkommentare
13.07.2008 00:09 | Strahelmann
"Banane" musste ich als Spamcode eingeben, werter K.Dieter. Das passt zu ihrem Kommentar. Da muss man schon ganz schön beso ...
10.07.2008 09:33 | fritz
Herrn Metzgers politisch korrekte Empörungshaltung ...
10.07.2008 02:49 | vic
Uranopfer in Niger? ...