DAS SOLLTEN SIE SEHEN – 2. FEIERTAG

Er sehnte sich nach einem Männerplaneten

„Winnetou darf nicht sterben“, Arte, 22.10 Uhr

Karl Mays „Welt“ war heimattümelnd, trat gegen die zersetzende Großstadtliteratur an, und ihre Lichtgestalt hieß „Winnetou“. Für Hitler war ein Vortrag von Karl May so etwas wie ein Papstbesuch für einen gläubigen Polen. Albert Speer riet deswegen später allen Hitler-Biographen, Karl May zu studieren, um die Seele des Führers zu verstehen.

Um die Seele der postfaschistischen Deutschen zu verstehen, muss man den Winnetou-Verkörperer Pierre Brice studieren. Der 1929 geborene Kriegsfreiwillige eines Spezialkommandos in Indochina wurde 1959 als „Winnetou“ entdeckt. Er „gab Winnetou eine Seele,“ urteilte ein Professor. Über Jahre wählte man ihn zum „beliebtesten deutschen Schauspieler“. Als er 1965 in „Winnetou 3“ starb, bekam sein weißer „Mörder“ nie wieder eine Rolle in Deutschland, und Bravo organisierte eine Kampagne: „Winnetou darf nicht sterben!“

Die Studentenbewegung räumte mit dem Karl-May-Muff schließlich auf. Anfang der 70er-Jahre spielte Brice in einer feministischen Science-Fiction-Serie, in der er sich jedoch nach einem „Männerplaneten“ sehnte. Die Serie floppte, seine Schlagerkarriere auch. Erst als er 1976 wieder den Original-Winnetou gab – bei den Karl-May-Spielen im Sauerland –, war „der Erfolg“ wieder „umwerfend!“, so Brice. 1987 holte er die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg aus den roten Zahlen. Dann war wirklich Schluss. Er warb noch für den Camembert „Val Bries“.

Oliver Schwehm filmte den 78-jährigen Bretonen noch einmal an den Wirkungsstätten seiner kerndeutschen Winnetou-Werdung. Am Ende sieht man Brice, wie er sich seine Triumphe noch einmal im Kino anguckt – alleine.

Und zwar bis alle Clarence kennen

„Ist das Leben nicht schön?“, 3sat, 11.20 Uhr

Diesen Schmachtfetzen von Frank Capra (USA 1946) habe ich schon vor zwei Jahren in der taz empfohlen – und werde solange weitermachen, bis ALLE den Engel Clarence kennen, der schon seit 200 Jahren auf seine Flügel wartet, und den lebensmüden George Bailey (James Stewart), der Clarence dazu verhelfen soll. Wer da nicht weint, hat kein Herz. Punkt.

Plätzchen sind ja auch nur an Weihnachten gut

„Maria an Callas“, ARD, 22.30 Uhr

Kitsch in Märchenatmosphäre – das ist der Stoff, aus dem die TV-Ware sein muss, die zu Weihnachten, und nur dann, genussfähig ist. Petra K. Wagner hat für die ARD eine solche Geschichte verfilmt. Nach dem Tod seiner Frau entdeckt der Witwer (Götz George) Briefe, die darauf hindeuten, dass sich seine Frau ihre Identität nur zusammengeliehen hat– und nimmt die Fährte auf, woraus sich charmante, nicht allzu dramatische Komplikationen entwickeln. Happy End? Klar. Zutaten bis dahin: Tränen, verhangene Fenster, Schneestürme, Maria-Callas-Arien, schönes Geschirr – in den anderen Hauptrollen Claudia Michelsen, Monica Bleibtreu und Ingo Naujoks. Hübsch, kurzweilig, sehenswert.