„Das ist Verbrauchertäuschung“

BERATUNG Ozan Sözeri hilft seinen Kunden, bei privaten Krankenversicherungen an einen günstigeren Tarif zu kommen. Das ist zu jedem Monatsersten möglich, bedarf allerdings eines längeren Vorlaufs

INTERVIEW EMILIA SMECHOWSKI

taz: Herr Sözeri, zum Jahreswechsel sollen die Beiträge der privaten Krankenversicherungen (PKV) wieder steigen. Wissen Sie schon, um wie viel?

Ozan Sözeri: Ja, bei einigen sollen die Beiträge um 40 bis 50 Prozent angepasst werden. Die Versicherungsgesellschaften kommunizieren die Beitragserhöhungen ihren Kunden absichtlich spät, um die gesetzlich vorgeschriebene Sonderkündigungsfrist von vier Wochen in den von Feiertagen gefüllten Dezember zu verlegen. Aus meiner Sicht ist das Verbrauchertäuschung.

Sind die Beitragserhöhungen denn gerechtfertigt?

Überhaupt nicht. Sie sind legal, aber nicht legitim. Die PKV erklären es mit der Entwicklung des medizinischen Fortschritts oder politischen Entscheidungen. Bedingt ist das auch richtig. Aber Fakt ist dennoch, dass die Kunden mit unseriös und zu niedrig kalkulierten Tarifen in die Versicherung gelockt werden. Eine Beitragsstabilität gibt es in der Praxis nicht.

Aber es gibt doch die sogenannte Altersrückstellung, die dafür sorgen soll, dass die Beiträge über die Jahre möglichst stabil bleiben.

Ja. Wenn ein Versicherter mit 25 in eine Versicherung eintritt, dann verursacht er verhältnismäßig wenig Kosten, weil er in der Regel gesund ist. Chronische Erkrankungen und regelmäßig eingenommene Medikamente kommen meist erst später. So wird der Beitrag anfangs höher angesetzt, damit die dann anfallenden Rücklagen die medizinischen Mehrkosten im Alter auffangen. Derzeit gibt es zwar Altersrückstellungen, diese sind aber eben viel zu niedrig kalkuliert. Es gibt aber durchaus Gesellschaften, die schon länger am Markt sind und nachhaltiger arbeiten, wie zum Beispiel die Hallesche Krankenversicherung, die Barmenia oder Debeka oder der Deutsche Ring.

Von welchen Gesellschaften würden Sie abraten?

Mehr oder weniger vom Rest.

Sie waren vorher zehn Jahre lang Versicherungsmakler, jetzt sind sie Versicherungsberater. Wo ist der Unterschied?

Das sind zwei Welten. Einen Versicherungsberater zeichnet die Unabhängigkeit aus. Wir dürfen keine Provision von den Versicherungsunternehmen erhalten. Ein Makler aber kann es sich nicht leisten, regelmäßig gegen die Interessen der Versicherungskonzerne zu arbeiten.

31, studierte Wirtschaftsingenieurwesen, war als Investment- und Versicherungsmakler tätig und gründete Ende 2009 mit zwei Partnern Widge.de. Seit Juni 2011 ist er eingetragener Versicherungsberater.

Es gibt schätzungsweise 180 Versicherungsberater in Deutschland. Was ist das Neue an Widge.de?

Wir sind die ersten, die den Wechsel in einen günstigeren Tarif innerhalb einer Gesellschaft professionell und groß aufgezogen haben. Das Thema ist mit einem solchen Know-how verknüpft, das es nur mit einer großen Firma, die zum Beispiel eine entsprechende Datenbank aufgebaut hat, zu bewerkstelligen ist.

Kann ich mich denn nicht selbst nach einem günstigeren Tarif erkundigen und eigenständig wechseln?

Wenn Sie als Kunde die Versicherung nach einem Tarifwechsel fragen, dann muss Ihnen klar sein, dass Sie mit einer Partei reden, die gewinnorientiert arbeitet und Interesse an möglichst hohen Beitragseinnahmen hat. Man ist als Kunde ohne die fachmännische Beratung von Dritten auf die Informationen der Versicherungsgesellschaft angewiesen. Ein Experte ist immer nur so viel wert, wie er neutral ist.

Kann man wirklich jederzeit in einen günstigeren Tarif wechseln?

Grundsätzlich schon, immer zum ersten des Monats. Man sollte für den Wechsel aber sechs bis acht Wochen Zeit einrechnen.

Wie viele Tarifwechsel haben Sie schon durchgeboxt?

Zurzeit liegen wir bei 2.000 Fällen.

Sie machen Ihre Arbeit ja nicht allein aus Gutmenschentum. Wie setzt sich Ihr Honorar zusammen?

Wir multiplizieren die Ersparnis, die ein Kunde durch unsere Arbeit in Zukunft haben wird, mit dem Wert acht. Bei einer Ersparnis von 300 Euro im Monat beträgt unser Honorar demnach 2.400 Euro, zuzüglich Mehrwertsteuer.

Der Kunde profitiert also von seinem günstigeren Tarif immer acht Monate später?

Richtig. Aber wir gehen immer in Vorleistung. Denn erst, wenn der Kunde mit unserer errechneten Ersparnis einverstanden ist, entscheidet er sich für oder gegen die honorierte Zusammenarbeit mit uns.

Wie reagieren denn die Versicherungsgesellschaften auf Ihre Arbeit?

Sie mögen uns natürlich überhaupt nicht. Etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit geht für juristische Nachspiele drauf, weil die Versicherungen den Informationsfluss blockieren.