Der Callcenter-Mitarbeiter Detlef Tiegel hat den aktuellen Datenschutzskandal ins Rollen gebracht. Dabei hat er eigentlich gar nichts gegen Callcenter.Interview: CHRISTIAN RATH

Tiegel hat nichts gegen Callcenter, sondern gegen unsaubere Geschäftsmethoden. Bild: dpa
taz: Herr Tiegel, haben Sie etwas gegen Callcenter?
Detlef Tiegel: Nein, im Gegenteil, ich liebe es, für Callcenter zu arbeiten. Wie kommen Sie darauf?
Sie haben die Branche belastet, indem Sie eine Diskette mit 17.000 Datensätzen an eine Verbraucherzentrale geschickt haben. Warum?
Weil ich etwas gegen unsaubere Geschäftsmethoden habe. Ich wollte darauf hinweisen, dass in unserer Branche einiges schiefläuft.
Wie kamen Sie an die Daten?
Ich wurde vor drei Wochen über eine Zeitarbeitsfirma an ein neues Callcenter namens Hanseservice in Lübeck vermittelt. Dort sollte ich anhand von Listen Personen anrufen, um ihnen ein Angebot der Firma Eurochance zu machen.
Eurochance? Was ist das?
Das ist ein Eintragservice für Gewinnspiele. Der Kunde zahlt monatlich 36 Euro und dafür beteiligt sich Eurochance in seinem Namen an hunderten von Preisausschreiben und sonstigen Gewinnspielen. Das ist durchaus legal.
Was war unseriös?
Als ich meinem Chef sagte: "Die Listen, die wir anrufen, sind nicht gut, viele Nummern stimmen nicht", da bekam ich nach zwei Tagen neue Listen, die es in sich hatten. Da stand das Alter der Personen dabei und auch die Bankverbindung. Letzteres halte ich für sehr gefährlich. Deshalb habe ich mich an die Verbraucherschützer gewandt.
Was ist an den Bankdaten so gefährlich?
Mit ihnen kann eine Firma Geld beim Kunden abbuchen, ohne dass dieser einen Auftrag erteilt hat. Und wenn der Kunde sich dann beschwert, dann kann man ihm entgegenhalten: "Sie haben uns doch Ihre Bankdaten gegeben."
Und der Kunde kann nicht beweisen, dass das Callcenter die Daten schon hatte?
Genau. Beweisbar ist nur, dass ein Telefongespräch stattgefunden hat, vielleicht sogar einige Minuten lang. Zum Inhalt des Gesprächs, ob ein Vertrag geschlossen wurde oder nicht, da steht Aussage gegen Aussage.
Warum wird überhaupt ein Kunde angerufen, wenn man die Konto-Daten ja schon hat?
Um ein Kundengespräch beweisen zu können, das so aussieht, als ob ein Auftrag erteilt wurde.
Was raten Sie den Verbrauchern?
Sofort auflegen, wenn man die Firma, die anruft, nicht kennt.
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