Keine Gnade für Drogendealer

INDONESIEN Streit über zwei zum Tode verurteilte Australier belastet die Beziehungen zwischen Canberra und Jakarta. Doch der indonesische Präsident Widodo bleibt hart

JAKARTA/BERLIN afp/taz | Jetzt bleibt den jungen Männern kaum noch Hoffnung, der Hinrichtung zu entgehen: Zwei in Indonesien wegen Drogenschmuggels zum Tod verurteilte Australier sind am Dienstag mit dem Versuch gescheitert, vor Gericht eine Begnadigung durch den indonesischen Staatschef Joko Widodo zu erstreiten.

Die Richter in der Hauptstadt Jakarta wiesen den Antrag von Andrew Chan und Myuran Sukumaran zurück. Sie hätten „nicht das Recht“, über die Entscheidung des Präsidenten zu urteilen. Die beiden Todeskandidaten hätten nun aber noch einmal 14 Tage Zeit, um den Beschluss anzufechten. Ihre Anwälte kündigten an, dies zu tun.

Widodo: Nicht in die politische und juristische Souveränität Indonesiens einmischen!

Der Fall erregt die Gemüter in Australien und Indonesien – und belastet mittlerweile das Verhältnis zwischen den Regierungen. Denn Chan und Sukumaran sind die ersten australischen Staatsbürger, die in dem südostasiatischen Inselstaat exekutiert werden sollen. Sie waren 2006 als Anführer einer Bande von Drogenschmugglern verurteilt worden. Im Jahr zuvor hatte die Polizei sie mit 8,3 Kilogramm Heroin, das sie nach Australien bringen wollten, auf der Insel Bali geschnappt. Die anderen Mitglieder der als „Bali Nine“ bekannten Gruppe erhielten hohe Gefängnisstrafen.

Insgesamt warten in Indonesien derzeit elf – überwiegend wegen Drogendelikten – Verurteilte auf ihre Hinrichtung, die üblicherweise durch Erschießung vollstreckt wird. Die vorige Regierung hatte die Todesstrafe fünf Jahre ausgesetzt. Präsident Joko Widodo hob das Moratorium 2013 aber wieder auf – mit dem Hinweis auf das wachsende Problem des Rauschgifthandels im Land, dem man nur mit aller Härte begegnen könne.

In den vergangenen Monaten ließ der Staatschef auch die Gnadenappelle anderer Regierungen – darunter Brasilien, Großbritannien und die Niederlande – für zum Tod verurteilte Landsleute an sich abprallen. Er verbat sich eine Einmischung in die „politische und juristische Souveränität Indonesiens“. Die Regierungen in Brasilia und Den Haag riefen nach der Hinrichtung ihrer Landsleute im Januar ihre Botschafter zurück.

Australische Medien berichten seit Wochen ausführlich darüber, dass ihre verurteilten Landsleute sich während ihres Gefängnisaufenthaltes in Indonesien zu guten Menschen gewandelt und Theologie und Kunst studiert hätten, und dass sie alles bereuten.

Gleichzeitig verärgerte die Regierung in Canberra die Indonesier schwer: So erinnerte Premierminister Tony Abbott daran, dass die Australier dem Land nach den Tsunamis im Jahr 2004 rund eine Milliarde australische Dollar gespendet hätten. Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla erklärte daraufhin in der Jakarta Post: „Wenn es nicht als humanitäre Hilfe gedacht war, werden wir es zurückgeben.“ LI