Das Helmholtz-Zentrum will das Atommülllager in Niedersachsen für die Schließung fluten. Doch die Kritik daran wächst - mittlerweile auch in der Politik.von KAI SCHÖNEBERG

Protestzug gegen die Asse-Flutung im Juli. Bild: dpa
HANNOVER taz Die Kritik an dem Plan, das niedersächsische Pannen-Atomlager Asse II mit seinen 126.000 radioaktiven Fässern zu fluten, wird immer lauter. Er sehe Bereitschaft bei den zuständigen Ministerien, auch die sogenannte Rückholung des schwachradioaktiven Mülls zu überprüfen, sagte am Freitag in Hannover der Wolfenbüttler Landrat Jörg Röhmann (SPD), in dessen Kreis das Lager liegt. Bislang habe es bei den schwachradioaktiven Stoffen - dem Großteil des in der Asse lagernden Atommülls - "immer nur Eiertanz gegeben", erklärte Röhmann. Ob die mittelstark strahlenden Atomfässer aus der Asse zurückgeholt werden können, wird gerade geprüft.
Bislang will der Asse-Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München (HZM), das ehemalige Salzbergwerk mit einer Magnesiumchloridlösung fluten und damit bis 2017 schließen. Ob das genehmigt wird, ist ungewiss. Anwohner fordern einen ergebnisoffenen Optionenvergleich, zu dem auch die Rückholung der Fässer gehört.
Ihre Befürchtungen, bei einer Flutung der Asse könnte Radioaktivität in die Biosphäre entweichen, hatte eine Studie am Donnerstag bestärkt. Es habe ihn "sehr erschreckt", dass in 750 Meter Tiefe gefundenes stark strahlendes Cäsium 137 direkt von den in der Asse eingelagerten Atommüllfässern stamme, sagte Landrat Röhmann. Betreiber HZM hatte bislang gemutmaßt, die Radioaktivität sei durch einen Unfall in die Nähe der Einlagerungskammern gekommen. Nun sei klar, dass die Asse schon bei der Einlagerung des Atommülls zwischen 1967 und 1978 feucht gewesen sei. Angeblich sickert erst seit 1988 nicht verseuchte Salzlauge in die Asse, 12 Kubikmeter täglich. Röhmann warf dem HZM vor, es gehe "dilettantisch" mit den "hochgefährlichen Atomabfällen" um.
KAI SCHÖNEBERG
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