„Als Historiker erschüttert“

HFK-VORGÄNGER Hans Hesse berichtet über Kurt Elvers und die „Nordische Kunsthochschule“

taz: Herr Hesse, die Hinrichtung des Kunststudenten Kurt Elvers, der das Scheitern des Hitler-Attentat bedauert hatte, war für Sie Anlass, die Geschichte der Nordischen Kunsthochschule (NKH) Bremen zu beforschen?

Hans Hesse: Ja. Elvers Grab in Hamburg wurde kürzlich aufgelöst. Normalerweise wird der Stein dann zu Wegematerial zerschreddert. Aber es gibt Signale, dass er auf dem Waller Friedhof aufgestellt wird.

Was motiviert Sie, sich so intensiv für Elvers’ Grab einzusetzen?

■ 50, promovierte über Entnazifizierung in Bremen und veröffentlichte „Bis zur Narbe. Eine Erzählung“ über den hingerichteten NKH-Studenten Kurt Elvers.

Das Entsetzen über den Verlauf der Entnazifizierung seiner Denunzianten. Als Historiker hat mich erschüttert zu sehen, in welcher Form sie abgewürgt wurde.

Sie haben 500 Studentenakten der NKH durchgesehen, die 1934 gegründet wurde, um einen „rassisch beseelten“ neuen Kunstbegriff schaffen. Wer war der bekannteste Student?

Nach derzeitigem Stand: Christian Modersohn. Doch der ging anschließend nach München, um weiter zu studieren. Die NKH hatte trotz der ideologischen Ansprüche ein eher bescheidenes Niveau.

Trotzdem hat die NKH als einzige Neugründung einer Kunsthochschule im NS-Staat die Anmutung eines Modellprojektes.

Der Alltag dieser Institution stellt sich in den Akten anders da. Zu einer gewissen regionalen Bekanntheit brachte es der Maler Georg Hillmann, nach dem in Bremerhaven eine Straße benannt ist. Angeblich hatte er politische Schwierigkeiten – die Akten berichten allerdings davon, dass ihm NSDAP-Kreisleitung Wesermünde bei der Studienplatzvergabe protegierte.

INTERVIEW: HENNING BLEYL

19.30 Uhr, bei Leuwer, Am Wall 171