Flughafen Tempelhof I

Tempelhof entwickelt sich

Der Senat will die künftige Nutzung des Flughafens vorantreiben und startet Ideenwettbewerbe. Auch wenn vieles nach Zukunftsmusik klingt, könnten die Ideen schon 2009 handfest werden.

Das Ende von Tempelhof ist besiegelt. Nun macht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Dampf bei der künftigen Entwicklung - ungeachtet der ausstehenden Rechtsstreitigkeiten. Bevor Ende Oktober die letzte Maschine von dem historischen Flughafen abhebt, will die zuständige Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mehrere Wettbewerbe ausloben und bittet die Bevölkerung um ihre Meinung.

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Von heute an liegt die Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) aus. Interessierte Berliner und Besucher können sich die Pläne bis zum 6. Oktober in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Köllnischen Park ansehen. "Wir planen eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Freiflächen und müssen jetzt die Flughafen-Nutzung abändern, um eine planerische Grundlage zu haben", sagte Junge-Reyers Sprecherin Manuela Damianakis der taz. Noch im September solle sich der Senat mit der Möglichkeit einer Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) im Jahr 2017 befassen.

"Das muss der Senat entscheiden, weil es doch mit erheblichen Kosten verbunden ist", erklärte Damianakis. Ebenfalls 2017 plant die Senatsverwaltung eine Internationale Bauausstellung (IBA) auf dem ehemaligen Flughafengelände. Im Rahmen einer solchen Schau könnten Themen wie nachhaltiges Bauen, generationenübergreifendes Wohnen und Klimaschutz hervorragend ausprobiert werden, sagte die Sprecherin weiter. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher soll noch in diesem Jahr ein Konzept für die IBA vorlegen.

Junge-Reyer hatte die Pläne für das 386 Hektar große Gelände - zum Vergleich: Der Tiergarten ist 210 Hektar groß - im Frühjahr dieses Jahres vorgestellt. Im Flughafengebäude wird demnach das Tempelhof Forum THF zu einer "Adresse für die Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft" entwickelt. In den nächsten Wochen startet die Senatsverwaltung einen "Call for ideas" im Internet, um Impulse für die Nutzung der 300.000 Quadratmeter Fläche zu erhalten. Angesprochen seien möglichst internationale Investoren, sagte Damianakis. "Wir haben schon gesehen, dass Interesse da ist."

Das Gebäude gehört zum Teil noch dem Bund, soll aber allmählich an das Land Berlin rückübertragen werden. Durch entsprechende juristische Vereinbarungen kann Berlin allerdings schon jetzt als Eigentümer für das ganze Gelände handeln, um die Entwicklung voranzutreiben.

Auch für das Columbia-Quartier am Columbiadamm, einem der neu entstehenden Wohnquartiere, beginnt in Kürze die Suche nach Vorschlägen. Bei einem städtebaulichen Ideenwettbewerb will der Senat Anregungen von Architekten und Planern sammeln. In dem Quartier sollen 1.500 Wohnungen für etwa 3.000 Menschen gebaut werden. Junge-Reyer will hier innovative Konzepte wie Baugruppen, Mehrgenerationenhäuser und neue Genossenschaftsmodelle fördern. Im Stadtquartier Neukölln im Osten des Flugfelds sollen an die 2.400 Menschen leben. Die Siedlung ist als Scharnier zum angrenzenden Kiez um die Schillerpromenade gedacht.

Auch wenn sich vieles nach ferner Zukunftsmusik anhört, könnten die Ideen nach Ansicht des Senats schon im kommenden Jahr handfest werden. "Wenn der städtebauliche Entwurf steht, die Besitzverhältnisse geklärt sind und die Vermarktungsstrukturen entwickelt sind, dann wird nächstes Jahr alles stehen", sagte Damianakis.

Durchkreuzen könnte die Planungen indes ein Verfahren, das nach wie vor am Oberverwaltungsgericht anhängig ist. Ende letzter Woche hatten die Richter angekündigt, über die Klagen zum Flughafen wohl erst im November oder Dezember zu entscheiden. Die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (Icat) will erreichen, dass das Gelände weiter als Flughafen genutzt werden kann. Deshalb klagen sie dagegen, dass das Gelände durch die Änderungen im FNP entwidmet wird.

 
01. 09. 2008

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