„Ausdruck des Unbehagens“

Ein Abend zum subversiven Gärtnern in der Stadt

taz: Frau Petermann, woher rührt die Sehnsucht der Großstädter nach Gärtnern?

Kerstin Petermann: Ich sehe den Grund in den gesellschaftlichen Veränderungen, die wir zur Zeit spüren. Gärten waren schon immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse ihrer Zeit, der Sicht auf die Welt. Die neue Lust am Gärtnern ist ein Ausdruck des Unbehagens mit diversen Problemen und Krisen, die wir zur Zeit haben.

Was genau verstehen Sie unter subversivem Grün?

■ 46, ist Kunsthistorikerin und arbeitet freiberuflich bei „Viakultura. Wege zur Kunst“. Dort veranstaltet sie Rundgänge und hält Vorträge.

Der Ausdruck bezieht sich auf die Anfänge des urbanen Gärtnerns, auf das Guerilla Gardening, dass also ohne Erlaubnis in der Stadt gepflanzt wird. Brachliegende Flächen werden da mit Blumen oder mit Gemüse bepflanzt. Es gibt auch Menschen, die vor ihrem Laden ein Beet bepflanzen, um einen hässlichen Seitenstreifen zu begrünen.

Ist das urbane Gärtnern politisch?

Man möchte bewusst im Kleinen vor Ort etwas machen, um das Unbehagen mit der Globalisierung, der Verschwendung von Ressourcen zum Ausdruck zu bringen. Also spielt auch der Gedanke der Nachhaltigkeit mit hinein.

Wird Hamburg in Zukunft grüner werden?

Das denke ich schon. Hamburg ist ja schon eine sehr grüne Stadt. Auch wenn man schaut, was in den letzten Jahren in der Platzgestaltung passiert ist, wie viele Plätze neu gestaltet worden sind, immer auch mit einem grünen Anteil. Ich denke, dass das eine ganz große Rolle in der Stadtplanung spielt. Und auch das Bewahren der schon vorhandenen Grünflächen und Parks gehört dazu. INTERVIEW: JBL

Vortrag „Geplantes Grün und subversives Grün – Zur Geschichte des Gärtnerns in Hamburg“ mit Kerstin Petermann: 19 Uhr, Museum für Hamburgische Geschichte