Leder, Gummi, Samt und Fesseln

LUST Bis Samstag wird auf dem inzwischen schon 4. Fetisch Film Festival im Kieler Veranstaltungszentrum Traum-GmbH ein buntes Programm mit filmischen Absonderlichkeiten gezeigt

Dieses „Alleinstellungsmerkmal“ ist kaum zu toppen. Immer wenn ein lokales Filmfest öffentliche Fördermittel beantragt, wird zuerst nach dem einen Element gefragt, das dieses Festival von den anderen Veranstaltungen der Region unterscheidet. Gemäß dieser in einigen Förderanstalten herrschenden Marketinglogik müsste das Fetisch Film Festival in Kiel eigentlich mit Zuschüssen überhäuft werden. Aber die Ausrichtung ist dann wohl doch zu speziell, um eine Förderung zu rechtfertigen, und das Festival scheint in seinem für die schwulen Fetische bescheidenen Rahmen auch unabhängig gut bestehen zu können. Im Kino des Veranstaltungszentrums mit dem schönen Namen Traum-GmbH werden schon im vierten Jahr internationale Produktionen zu den Themen Fetische und sadomasochistische Praktiken gezeigt.

Dass das Interesse der Zuschauer dabei nicht unbedingt rein filmästhetisch ist, liegt auf der Hand. Die Grenzen zur Pornografie sind fließend und die amerikanische Regisseurin Julie Simone zeigt ihr Fetish Video „Skin’s 1st Suspension“ zuerst auf dem Berliner Pornofilmfestival und dann in Kiel. An der Dokumentation „Behind the Wip“ mit dem Untertitel „aus der Welt der professionellen Dominatrix“ werden wohl in erster Linie deren potenzielle Kunden interessiert sein und in „Rubbers ou onna“ sind viele eng in Gummi verpackte Japanerinnen zu sehen.

Respektabel wird und will dieses Filmfest nicht werden, aber an einem Festivalblog vom letzten Jahr sieht man, dass die Macher sich durchaus Gedanken über ihr Klientel machen: Domenique von Sternenberg (!) freute sich dort, dass zur Eröffnung „auch einige attraktive Frauen ganz solo im Publikum auszumachen waren. Dies betone ich, weil in diesem Umfeld doch meist die Männer die große Mehrheit der ‚Solo-Cineasten‘ ausmacht...“.

Auf dem Programm steht immerhin auch der neue Film von David Cronenberg mit dem passenden Titel „Eine dunkle Begierde“, in dem von der Rivalität zwischen Sigmud Freud und C.G. Jung um die Patientin Sabina Spielrein erzählt wird. Gezeigt wird auch der Spielfilm „Sleeping Beauty“, der erst vor ein paar Wochen auf dem Filmfest Hamburg lief und in irritierend perfekten Bildern von einer jungen Frau erzählt, die ihren Körper und ihre Schönheit als Kapital ansieht und alte Männer für Geld ihren schlafenden Körper berühren lässt. Einer der Bordellbesucher zitiert Ingeborg Bachmann und auch sonst ist der Film der australischen Regisseurin Julia Leigh das Gegenteil einer voyeuristischen Wunschfantasie.

Für die schwulen Fetischisten wurde die Dokumentation „Kink Crusaders“ über die Wahl des internationalen „Mr. Leather“ ins Programm genommen und „Mein dominantes Leben“ erzählt von der Romanze zwischen einer lesbischen Aktivistin und einer Domina. Der Ehrgeiz der Organisatoren scheint darin zu bestehen, für möglichst viele sexuelle Präferenzen die passenden Filme zu finden – auch das ist eine Leistung.

Informationen bei www.fetisch-film-festival.de