Die deutsch-polnischen Beziehungen im Spiegel der Kunst

Laszive Posen

Polishing Polish Parts“ hieß 1987 eine Performance im jetzt abgerissenen Nationalstadion von Warschau. Nun gibt es ein Rückspiel in Berlin und wieder heißt es: „Polishing Polish Parts“. Da ist zuvörderst die große Ministerialien-Ausstellung im Gropiusbau: „Tür an Tür“, die vor allem Heimatvertriebene im Rentenalter anlockt: In 19 Sälen werden dort mehr als „700 historische und zeitgenössische Exponate ausgestellt“. Der polnische Staat hat sich nicht lumpen lassen! Und wegen der derzeitigen polnischen EU-Ratspräsidentenschaft hat sich auch Brüssel das „gute deutsch-polnische Verhältnis“ was kosten lassen, damit auch für weniger repräsentative Kulturaustausch-Events gehörig was abfiel.

So moderierte die mit einem polnischen Orden geehrte Kulturwissenschaftlerin Stefanie Peter im Auftrag der „Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit“ eine Diskussion über die zwei Hauptstädte im „dynamischen Umbau“: Warschau, die reichste Stadt Polens, und Berlin, die ärmste Stadt Deutschlands. Als es dabei um Gentrifizierung und den Widerstand dagegen ging, war Joanna Erbel von „Krytyka Politiyczna“ (KP) in ihrem Element. Die KP-Gruppe betreibt Politikberatung, hat eigene Zeitschriften in Warschau und Kiew und Clubs in mehreren Städten, demnächst auch einen in Berlin.

Die Bethanien-Ausstellungsräume in der Kottbusser Straße zeigen außerdem „Contemporary Art from Poland“ unter dem Titel „Polish!“. Ähnliches gilt für das Bethanien am Mariannenplatz, in dessen Krypta Magdalena Ziomek-Frackowiak vom Verein „agitpolska“ die Ausstellung „Gute Nachbarschaft?“ kuratiert hat. Diese Schau junger Künstler ist das notwendige Gegenstück zur „Tür an Tür“, weil sie die bis heute fortwirkenden bösen Aspekte in den deutsch-polnischen Beziehungen nicht umschifft, sondern geradezu gesucht hat. Da sind etwa die lasziven Posen auf den Fotos junger polnischer Frauen, mit denen diese im Internet alte deutsche Ehemänner suchen. Oder der Film über polnische Schlachtkaninchen, die in Münster ausgesetzt wurden, um in ihrer Anpassungs- und Vermehrungsfähigkeit eine Analogie für die nach Deutschland ausgewanderten Polen zu bilden.

Umgekehrt verdingte sich der deutsche Künstler Dietmar Schmale in Polen als Putzmann: Mit diesem „kulturellen Austausch“ kam er sogleich in die Feuilletons diverser polnischer Zeitungen. Im Gegensatz zu der Arbeit von Rafal Jakubowicz – Ansichten des Posener VW-Werks, „Arbeitsdisziplin“ genannt – die er in der Posener Stadtgalerie ausstellen wollte. Nach Druck des VW-Werks auf die Stadtverwaltung wurden die Photos wieder abgehängt: Sie sahen zu sehr nach Auschwitz aus.

Abschließend sei erwähnt, dass erstens all dies ohne den unermüdlichen „Club der polnischen Versager“ nicht möglich gewesen wäre. Und dass es zweitens zu fast all diesen „Tür-an-Tür“-Events dicke Kataloge gibt. Wenn man die durch hat, kann man sich auf den nächsten Eventklopper freuen – über die „komplizierte deutsch-französische Beziehung“. Arbeitstitel „Arsch an Arsch“.