Die O2-Arena ist städtebaulich und auch sonst eine Katastrophe, sagt Peter Schmitz von den SpreepiratInnen.Interview: J. SCHMUMACHER
taz: Herr Schmitz, eigentlich wollten die "SpreepiratInnen" bei der Eröffnung vor der Anschutz-Halle am Mittwoch demonstrieren. Nun ist die Demonstration verboten worden.
Peter Schmitz: Nicht komplett. Aber wir dürfen nicht in die Nähe der Halle. Angeblich ist dort wegen der Eröffnungsfeier mit 1.000 geladenen TeilnehmerInnen kein Platz - eine Frechheit, schließlich sollen dort künftig viel größere Veranstaltungen stattfinden. Wir werden gegen diese Auflagen klagen. Aber wir gehen davon aus, dass der Widerstand sich nicht so einfach verbieten lässt. Inzwischen haben auch weitere Gruppen Proteste angekündigt, zum Beispiel die Hedonistische Internationale.
Die O2-Arena ist laut "Mediaspree versenken" eine Katastrophe für Berlin. Warum?
Senat und Bezirk haben zum Bau der Arena Millionen aus öffentlichen Mitteln zugeschossen. Die hätten sinnvoller verwendet werden können, für billigere Schwimmbäder, gute Bildung, Bibliotheken. Aber die Arena ist auch städtebaulich eine Katastrophe: Die Ufer der Spree werden weiter zubetoniert.
Die Arena soll bis zu 1.500 Arbeitsplätze schaffen. Ist das kein Argument?
Nein. Schlecht bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich gibt es genug. Die Menschen, die in Gastronomie oder als Kartenverkäufer arbeiten, können oft nicht davon leben. Die Jobs müssen sie aber annehmen, wenn sie keine Kürzungen von Sozialleistungen riskieren wollen.
Vielen dürfte die neue Halle aber auch gefallen. Zur Eröffnung treten Metallica, Herbert Grönemeyer und Coldplay auf.
Die Betreiber der O2-Arena tun, als hätte es bisher keine Kultur- oder Musikevents in Berlin gegeben. Dabei fanden die einfach in den städtischen Veranstaltungshallen statt, im Velodrom oder der Max-Schmeling-Halle. Diese Hallen werden mehr Verluste machen. Das zahlt das Land.
Ist es angesichts der knappen Finanzen nicht positiv, dass ein privater Investor den Bau der neuen Halle finanziert?
Der Investor, der Milliardär Philip Anschutz, hat den Bau der Halle ja nicht allein finanziert. Um ihn für das Projekt zu gewinnen, haben Land und Bezirk Millionen zugeschossen und über 50 Ausnahmen von Gesetzen genehmigt. So wurde auf Wunsch von Anschutz ein großes Stück der denkmalgeschützten East Side Gallery entfernt. Und Anschutz zu unterstützen finden wir auch politisch fragwürdig
Weshalb?
Philip Anschutz, einer der reichsten Männer der Welt, ist ein wichtiger Förderer rechtsreligiöser Gruppen in den USA. So unterstützt er zum Beispiel die Gruppe Colorado for Family Values, die gegen die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen kämpft und die These vertritt, Homosexualität führe zu Pädophilie und Kindesmissbrauch. In London haben Bürgerrechtsgruppen, die sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen, deshalb zu einem Boykott der Halle "The O2" aufgerufen, die ebenfalls von Anschutz betrieben wird.
INTERVIEW: J. SCHMUMACHER
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