Trendforscher Sven Gábor Jánszky findet es lächerlich, wenn Politiker pauschal Verbote von Datenhandel fordern. Gerade junge Menschen gingen in Zeiten von Twitter und Co bewusst mit ihren Daten um.

Wird Datenschutz unwichtiger, weil wir im Netz mehr von uns preisgeben? Bild: dpa
taz: Herr Jánszky, finden Sie Menschen lächerlich, die sich für den Schutz persönlicher Daten einsetzen?
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Sven Gábor Janszky: Nein, überhaupt nicht. Datenschutz ist eines der zentralen Themen der Zukunft. Nur die Prämissen, unter denen er betrieben wird, das Verhalten der Menschen zu den Daten - das ändert sich. Was ich ein bisschen lächerlich finde, ist, wie Datenschutz gerade in diesen Tagen diskutiert wird.
Was meinen Sie konkret?
Forderungen nach einem Pauschalverbot von Daten, von Datenspeicherung, von Datenhandel und so weiter. Ganz weite Bereiche unserer Wirtschaft bauen darauf auf, dass Unternehmen Daten von ihren Kunden benutzen und damit Werbung betreiben. Das ist quasi eine der Grundlagen dieses Systems.
Eine Ihrer Thesen lautet: Der Datenschutz wird in den nächsten zehn Jahren obsolet.
In den nächsten zehn Jahren wird der Umgang, unserer und der der Wirtschaft, mit unseren Daten an Wichtigkeit noch zunehmen. Doch ich bin sicher: Der klassische Datenschutz ist überholt. So wie er vor 25 Jahren entstanden ist, ficht er sein letztes Gefecht. Ich glaube, unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren massiv gedreht. Schauen Sie doch einmal, wie wir, vor allem die Jungen, mit ihren Daten umgehen.
Nämlich wie?
Sie hinterlassen ihre Daten mutwillig und bewusst - angefangen bei PayPal über Kreditkarten und Handy bis hin zu Google, dem klassischen Beispiel. Oder bei den ganzen Social Communitys oder Twitter, wo ich ganz bewusst täglich meine Daten hinterlasse, damit meine Freunde und Bekannten quasi in mein Leben integriert sind. Das ist ein Umgang mit Daten, der im klassischen Datenschutz, wie ihn die Datenschützer betreiben, überhaupt nicht gedacht wird.
Warum investieren Unternehmen nicht mehr in den Schutz der Nutzerdaten?
Wenn der Kunde seine Daten freigibt, dann haben Unternehmen die Chance, diese Daten so zu nutzen, dass sie ihrem Kunden passendere Angebote machen. Aus dieser Denke heraus ist das Datensammeln im Sinne des Kunden, denn es vermeidet unsinnige Werbung, die sowieso kommen würde. Das ist eigentlich diese Souveränität, die ich den jetzt kommenden Generation unterstelle: dass sie sehr wohl den Wert ihrer Daten erkennen und dass sie ihre Daten sehr bewusst freigeben - und im Zweifel etwas dafür fordern, zum Beispiel Rabatte.
Aber bei Datenschutzproblemen bei Firmen geht es ja nicht um ein paar Spammails, sondern um kriminelle Handlungen, wie Missbrauch von Konto- und Kreditkarten.
Ich sage ja auch nicht, dass jedes Datenschutzgesetz abgeschafft werden soll. Natürlich muss Kriminalität bestraft werden. Bei der Hysterie geht es ja nicht um die Kriminellen, sondern um das Wort Datenschutz an sich. Die Diskussion bringt Blüten hervor wie die Forderung, den gesamten Adresshandel zu verbieten.
Datenschutzrecht hat also seine Berechtigung - nur auf niedrigerem Niveau?
Ja. Wobei: Die wünschenswerte Rolle der Politik sehe ich eigentlich in einem wichtigen anderen Feld. Die Wirtschaft strebt teilweise ein System an, Daten der Bürger zu analysieren, ihnen aber gleichzeitig die Handhabe zu geben, diese Daten zu kontrollieren. Solche Ideen sollte die Politik unterstützen, anstatt alle Firmen, die mit Daten arbeiten, pauschal zu verdammen.
INTERVIEW: MEIKE LAAFF
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