Furcht und Schrecken auf dem Mond

ALIENS In „Apollo 18“ wird eine neue Verschwörungstheorie gesponnen, nach der es noch eine letzte, geheime Mondmission der Nasa gab, deren Ergebnisse so schockierend waren, dass sie bis jetzt geheimgehalten wurden

Die Grundidee ist brillant: Nachdem einige Verschwörungstheoretiker uns jahrzehntelang mit immer dünneren Aufgüssen der These gelangweilt haben, dass die Amerikaner nie auf dem Mond waren und die berühmten Fernsehaufnahmen in einem Studio in Hollywood produziert wurden, wird nun ein neues und noch absurderes Szenario gesponnen. Nach dem offiziellen letzten Flug der Apollo 17 zum Mond gab es demnach noch eine streng geheime Mission und die Astronauten der Apollo 18 machten auf der Mondoberfläche eine so schreckliche Entdeckung, dass darüber bis jetzt kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Doch nun sind aus einer geheimnisvollen Quelle die Filmaufnahmen von dieser Mondreise aufgetaucht und „Apollo 18“ besteht nur aus dieser „found footage“, sprich gefundenem Filmmaterial.

Inzwischen gibt es ja schon ein Subgenre mit solchen gefälschten Dokumentationen, in denen, anders als in den erzählenden Künsten üblich, nicht („to tell the tale“) zumindest der Erzähler überleben muss, sondern die Kamera meist als letztes den Tod des Aufnehmenden filmt.

Die Filmemacher haben ihre Sequenzen mit Originalaufnahmen von den Apollo-Missionen vermischt

Erfunden hat dieses narrative Prinzip wie so vieles schon Edgar Allen Poe für seine Kurzgeschichte „Das Manuskript in der Flasche“.

Den Schritt von der Flaschenpost zur belichteten Filmrolle gab es dann in dem avantgardistischen Splatterfilm „Mann beißt Hund“ aus Belgien und im Mainstream ist diese Erzähltechnik dann mit „Blair Witch Project“ angekommen. Nach „Rec“, „Paranormal Activity“ und „Cloverfield“ droht sie, nach wenigen Jahren schon zu einem dramaturgischen Klischee zu werden und tatsächlich gibt es inzwischen mit dem norwegischen „Trollhunter“ bereits eine schöne Parodie darauf.

Bei „Apollo 18“ kann man gut die Vorteile und Beschränkungen des Subgenres erkennen. Die Filmemacher haben sich viel Mühe dabei gegeben, die von ihnen gedrehten Sequenzen so mit Originalaufnahmen von den Apollo-Missionen zu vermischen, dass es manchmal fast unmöglich ist, den Unterschied zu erkennen.

Und zuerst hat diese alternative Geschichtsschreibung der Raumfahrt auch ihren Reiz. So gibt es ein paar zugleich witzige und erschreckende Momente, wenn sich etwa auf der Mondoberfläche Fußspuren finden, die nicht von den amerikanischen Astronauten sein können (da wird tatsächlich die Schuhgröße verglichen), oder wenn plötzlich die vor der Mondlandefähre aufgepflanzte amerikanische Flagge verschwunden ist. Bald wird auch noch eine sowjetische Mondfähre mit einem toten Kosmonauten entdeckt und dann wird es immer unheimlicher, denn auf dem Mond gibt es etwas, das die tapferen amerikanischen Astronauten (und die Zuschauer) ständig durch Schatten und Bewegungen an den Blickrändern schlimm erschrecken will.

So wird „Apollo 18“ im zweiten Akt leider zu einem eher mittelmäßigen Horrorfilm, in dem es López-Gallego vor allem darauf ankommt, möglichst oft und eindrucksvoll „Buh“ zu machen. Offensichtlich fiel den Filmemachern nicht mehr viel ein, nachdem sie die Amerikaner auf den Mond und die Monster losgelassen hatten. Die innere Logik der Erzählung wird so auch zunehmend den Schockeffekten geopfert, aber an die plötzlichen Bewegungen auf der Mondoberfläche und die krabbelnden Wesen in der Mondfähre hat man sich schnell gewöhnt.