udo wachtveitl, münchener tatort-kommissar

Der Flensburger Stadtdenker

UDO WACHTVEITL, 49, ist Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Er lebt und arbeitet in München. FOTO: BR

Normalerweise spielt Udo Wachtveitl den Münchener Tatortkommissar. Gerade das macht ihn wertvoll für Flensburg. Denn der Verein für Flensburger Baukultur sucht jedes Jahr einen „Stadtdenker“ aus. Und dieser Denker soll Flensburg aus unbefangenen Augen sehen, eine Woche lang, und dann Verbesserungsvorschläge machen. „Uns kam die Idee 2004“, sagt Bernd Köster, der Vorsitzende des Vereins. „Wenn man aus dem Urlaub kommt sieht man seine Stadt mit anderen Augen.“ Aus dieser Beobachtung heraus sei das Projekt entstanden. Seitdem ist die Woche eine Institution in Flensburg.

Die Bevölkerung kann am ersten Abend Anregungen geben. Doch der zum Stadtdenker berufene erhält keine Vorgaben, er kann sich mit selbst gewählten Themen auseinander setzen und erfährt nichts über die Eindrücke seiner Vorgänger, damit seine Meinung unbefangen ist. Jedes Jahr macht sich ein Mensch aus einem anderen Berufszweig Gedanken. 2004 war es der Architekt Arno Brandlhuber, der die Flensburger Förde mit dem Markusplatz in Venedig verglich, dann die ehemalige dänische Kultusministerin Elsebeth Gerner Nielsen. Sie machte den Vorschlag, die Lage Flensburgs zu nutzen, um es zur grenzübergreifenden Regionalstadt auszubauen. Dieses Jahr wird der Schauspieler und Regisseur Udo Wachtveitl Vorschläge machen. Wachtveitl ist nicht nur Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor, er schreibt auch eine Kolumne im Baumeister, einer Fachzeitschrift für Architekten. Studiert hat er zwar einige Semester Jura, interessiert sich in seiner Freizeit aber hauptsächlich für Architektur. Am Ende seiner Woche in Flensburg wird er seine Ideen vorstellen, die Bevölkerung wird mitdiskutieren. „Das kann natürlich auch schiefgehen“, sagt Köster, aber, „wo nichts schief gehen kann, kann auch nichts Gutes entstehen“.

2008 werden die Ideen aller Stadtdenker zusammengetragen, die einzelnen Vorschläge können jedoch vorher schon umgesetzt werden: daran, Flensburg zu einer Regionalstadt zu machen, wird schon gearbeitet. Andere Städte haben sich schon über das Projekt informiert.

STEFANIE HELBIG