• 26.09.2008

Rot-Rot drängt eigenen Senator

Nachhilfe für den Bildungssenator

SPD-Linke und Vertreter der Linkspartei sprechen sich in einem Positionspapier für die Gemeinschaftsschule aus - und attackieren damit Zöllners zweigliedriges Schulsystem.von ANTJE LANG-LENDORFF

SPD-Linke machen gegen ihren eigenen Bildungssenator mobil: In einem gemeinsam mit Vertretern der Linkspartei verfassten Papier mit der Überschrift "Bildungsziele für Berlin" fordern sie eine "Schule für alle" - sprich: die Gemeinschaftsschule.

Erst vor zwei Wochen hatte Jürgen Zöllner (SPD) Eckpunkte eines zweigliedrigen Schulsystems vorgestellt. Zwar fällt der Name des Senators in dem nun veröffentlichten Papier nicht ein Mal. Doch der Angriff könnte kaum deutlicher sein: "In einem zweigliedrigen Schulsystem wird das Prinzip Auslese nicht aufgehoben", heißt es. Und weiter: "Wir wollen keine Restschulen schaffen, sondern einen Prozess fördern, der zu mehr Chancengleichheit führt."

Zöllner hatte angekündigt, alle Haupt-, Real- und Gesamtschulen zusammenlegen zu wollen. Ginge es nach ihm, soll es ab 2010 nur zwei Schultypen geben: Neben der neuen Regionalschule bleibt das alte Gymnasium erhalten. Die Gemeinschaftsschule stellt bei Zöllner nur eine Ausnahme dar - zum Ärger der Linkspartei und der SPD-Linken. Im Koalitionsvertrag hatte Rot-Rot das "gemeinsame Lernen über die Grundschulzeit hinaus" eigentlich festgeschrieben.

Die sozialdemokratischen Unterzeichner des neuen Papiers sind in der Partei durchaus einflussreich: Der stellvertretende Landesvorsitzende, Marc Schulte, zählt genauso dazu wie Felicitas Tesch, die bildungspolitische Sprecherin. Monika Buttgereit vom Landesvorstand hat unterschrieben, ebenso wie Mark Rackles, Sprecher der Parteilinken. In der Linkspartei dürfte das Papier kaum umstritten sein.

Die Verfasser setzen sich hohe Ziele: Innerhalb von 10 Jahren sollen nahezu alle Schüler einen Abschluss erreichen. Als Zwischenschritt wollen die Unterzeichner in den nächsten fünf Jahren die Abbrecherquote halbieren. Damit mehr junge Leute auch studieren können, sollen in 10 Jahren zwei Drittel eines Jahrgangs Abitur machen. Derzeit liege die Quote bei 40 Prozent.

Auch die Abiturchancen von Kindern aus bildungsfernen Haushalten sollen verdoppelt werden. Um all das zu schaffen, bedarf es nach Meinung der Autoren Änderungen im System. "Die Abkehr von der Auslese ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt, um die ,Berliner Bildungsziele' zu erreichen."

Zöllner versuchte am Freitag, die Wogen zu glätten. "Ich begrüße eine breite Diskussion über die neue Schulstruktur." Das Papier "Bildungsziele für Berlin" enthalte viele gute Ideen. Parteikollegin Buttgereit legte gegenüber der taz noch einmal nach: Zöllners Konzept sei nicht abgestimmt gewesen, sie verstehe es lediglich als "Diskussionsgrundlage". Mit Änderungsbedarf: "Die Gemeinschaftsschule ist ein zentrales Projekt sozialdemokratischer Bildungspolitik und darf nicht nur am Rande vorkommen."

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