Schmutzige Tücher

Schwedische Umweltschützer haben Hormongift in importierten Badezimmertextilien gefunden

STOCKHOLM | taz ■ | Frotteehandtücher und andere außerhalb der EU hergestellte Textilien können die reinsten Umweltbomben sein. Dies hat eine Untersuchung der schwedischen Naturschutzvereinigung SNF ergeben. Diese hatte 20 außerhalb der EU hergestellte Handtücher analysieren lassen. Alle enthielten das seit 2003 in der EU verbotene Hormongift Nonylphenol. Erste schwedische Handelsketten reagierten darauf hin umgehend und nahmen die Handtücher vom Markt. Die belasteten Produkte sind auch im Sortiment von auch in Deutschland aktiven Ketten wie Ikea und Dänisches Bettenlager enthalten.

Auf die Spur war SNF den giftbelasteten Textilien gekommen, weil in den Kläranlagen stetig hohe Werte Nonylphenol festgestellt worden waren. Allein im Abwassersystem Stockholms sind es jährlich 1,6 Tonnen. Und dies obwohl die Anwendung dieser früher vor allen in Wasch- und Reinigungsmitteln enthaltenen Chemikalie in Schweden bereits seit 15 Jahren verboten ist. In Deutschland und in der gesamten EU darf der Stoff nur in einer Konzentrationen von maximal 0,1 Prozent vorkommen.

SNF geht davon aus, dass vermutlich ein Großteil aller Textilien, die beispielsweise aus China, Indien und der Türkei importiert werden, mit Nonylphenol belastet sind. „Es gibt dort eben kein gesetzliches Verbot der Substanz“, sagte SNF-Vorsitzender Mikael Karlsson der taz: „Es gibt dort eben kein gesetzliches Verbot der Substanz.“

Das EU-Verbot ist durchlässig, da es nur für die Nonylphenol-Anwendung innerhalb der Europäischen Union gilt, aber nicht bei Importen. Es gibt bisher auch keine amtlichen Kontrollen, vielmehr bleibt es den Importeuren überlassen, selbst zu kontrollieren, was sie ihren KundInnen anbieten.

In Schweden reagierten die beiden größten Handelsketten ICA und Coop umgehend und nahmen die fraglichen Handtücher vom Markt. Nonylphenole entstehen durch Nonylphenolethoxylate, die vornehmlich als Tenside und Emulgatoren eingesetzt werden. Die Substanzen verschwinden aus belasteten Textilien, wenn diese mehrfach gewaschen worden sind. Sie gelangen dann aber über das Abwasser in die Umwelt und wurden daher auch in Lebensmitteln nachgewiesen. Die EU klassifiziert die Chemikalie als möglicherweise verantwortlich für embryonale Schäden und als Risiko für das Fortpflanzungsvermögen.