Auf den Sandwich-Laden "Subway" im Wrangelkiez fliegen Farbbeutel und Steine. Nachbarn vermuten dahinter Protestaktionen von Gentrifizierungsgegnern. Bei McDonalds ist es dagegen ruhig.von PLUTONIA PLARRE
Dafür, dass der Laden erst seit Kurzem offen ist, macht die Sandwichfiliale "Subway" in der Schlesischen Straße in Kreuzberg von außen einen reichlich ramponierten Eindruck. In den Schaufensterscheiben klaffen Risse, die notdürftig mit Klebeband geflickt sind. Die Hauswand ist mit Farbe bekleckst, über das Firmenlogo "Subway" ist mit schwarzer Farbe "Suckway" gesprüht.
Die Angestellten des Geschäfts und die Polizei bestätigen: Die Filiale ist in den letzten Wochen wiederholt zum Angriffsziel geworden. Am 16. September haben Unbekannte nachts vergeblich versucht, die Scheiben einzuwerfen. Zuvor wurde ein Eimer mit Wandfarbe in der offenen Tür ausgekipppt. Auch brüllten Passanten beim Vorrübergehen in den Laden: "Scheiß-Subway, verpiss dich!" Wer dahinter steckt? Die Polizei hat keine Anhaltspunkte. Die Angestellten hingegen wagen eine Vermutung: "Leute, die was gegen das ,Subway' im Kiez haben. Die denken, das Geschäft gehört dem amerikanischen Großkonzern." Das sei aber nicht so. Eigentümer seien zwei ganz normale Brüder, sogenannte Franchise-Nehmer, die das volle finanzielle Risiko tragen würden.
In der Schlesischen Straße direkt neben "Subway" befindet sich eine winzige Secondhand-Boutique, daneben ein kleiner Plattenladen. Die beiden Läden und das "Subway" haben denselben Vermieter, dem das Eckhaus angeblich noch nicht lange gehört. Nach dem Einzug des "Subway" seien auch die Mieten für den Plattenladen und die Boutique erhöht worden, erzählt Natascha H., Inhaberin der Boutique. Früher habe sie eine Monatsmiete von knapp 500 Euro bezahlt, jetzt seien es 1.050 Euro.
Gentrifizierung - Verteuerung von Stadtvierteln und Vertreibung alteingesessener Mieter - von dieser Entwicklung wird nun auch die Schlesische Straße mehr und mehr heimgesucht. Die Straße gehört zum Wrangelkiez, der wiederum wegen vielfältiger Probleme seit geraumer Zeit unter Betreuung sogenannter Quartiersmanager steht. Kleine Läden, die das Viertel mit einer einstmals sehr armen Wohnbevölkerung früher stabilisiert haben, würden nun zunehmend von Coffee-Shops, Bars und Restaurants verdrängt, beschreibt der Inhaber des kleinen Plattenladens, Michele A., die Lage.
Es begann im Sommer 2006, als Berlin durch die Fußballweltmeisterschaft voller Touristen war. "Das war die Zeit, in der die Schlesische Straße als ,hip und in' hochgeschrieben wurde", erinnert sich Natascha H. "Seitdem wollen plötzlich alle hierher." Dadurch gehe das Besondere kaputt, das die Straße ausgezeichnet habe. Das wirft sie auch "Subway" vor. Und trotzdem: Die beiden Brüder tun ihr leid. "Sachen kaputt machen finde ich doof" sagt sie. Als Franchise- Nehmer wären die beiden vermutlich pleite, wenn es mit dem Laden schiefgeht. Sie waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Um McDonalds in der Skalitzer Straße ist es dagegen still geworden. Dabei gehört die Filiale wirklich dem US-Konzern. Als die Zweigstelle im September 2007 aufmachte, hatte es noch eine Bürgerinitiative dagegen gegeben. Nach ein paar Farbbeuteln bei der Eröffnung war Ruhe. "Wir sind ein anerkanntes Familienrestaurant im Kiez", freut sich Sprecherin Nelly Kunkel.
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