… DIE SPD-ABWEICHLERIN GERLINDE SCHERMER?

Unterstützung aus München bekommen

Sie könnte tatsächlich unbequem werden für die SPD: Gerlinde Schermer, 55, seit 21 Jahren in der SPD, Direktkandidatin in Friedrichshain-Kreuzberg, Wahlkreis 5. Nicht abgesichert über die Landesliste, und das wohl nicht von ungefähr: Schermer hat sich in zwei zentralen Fragen gegen ihre Partei und den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit positioniert. Da wäre zum einen die Verlängerung der A 100. Die SPD ist dafür (nachdem Wowereit lange genug abstimmen ließ), Schermer dagegen. Zum anderen das Volksbegehren zur Offenlegung der Verträge über die Teilprivatisierung der Wasserverträge: Die SPD lehnte das Ansinnen ab, sie hatte einst für den Teilverkauf gestimmt. Schermer war damals dagegen und unterstützte später das Volksbegehren. Gute Gründe also für eine Partei, das unbequeme Mitglied nicht im Abgeordnetenhaus sehen zu wollen.

Hier kommt – Obacht! – der Münchner Oberbürgermeister ins Spiel: Christian Ude, SPD-Urgestein und unverdächtig, in der SPD weit links zu stehen. Aber er ist ein Verfechter starker Kommunen und kommunaler Stadtwerke – zu denen die Wasserversorgung gehört.

Ude also schreibt nun eine E-Mail an Schermer, in der er ihr „bei der Wahl viel Erfolg“ wünscht: „Ein Erfolg am Wahltag wäre nicht nur wohl verdient, sondern würde auch der Idee der kommunalen Daseinsvorsorge Auftrieb geben.“ Schermer hat die Mail auf ihrer Website veröffentlicht. Alles im Rahmen der bekannten Positionen, sollte man meinen. Wäre da nicht eine kleine Unsicherheit: Wenn Ude einer Kandidatin, die offen gegen zentrale Positionen Wowereits antritt, viel Erfolg bei der Wahl wünscht, was wünscht er dann eigentlich Wowereit? SVE

Foto: SPD