Der umstrittene Linkspartei-Abgeordnete Lutz Heilmann ist mit schlüpfrigen Internet-Angeboten in Verbindung zu bringen. Aber wer profitiert bloß von solchen vermeintlichen Enthüllungen?von ESTHER GEISSLINGER

Fast wie in der schleswig-holsteinischen Linkspartei: Rote Schmutzwäsche. Bild: DPA
"Boys und Girls für unvergessliche Abende", wirbt der Begleitservice "Heaven-Escort". Und damit der Abend noch schöner wird, gibt es allerlei Spielzeug beim Internet-Sexshop "Flutsch-Express". Beides sind Firmen der "Heaven Media" mit Sitz in Lübeck. Die Adresse steht im Impressum - es ist die des Linke-Bundestagsabgeordneten Lutz Heilmann, der auch als Jugendschutzbeauftragter des Sexartikel-Shops genannt wird.
"Heaven"-Geschäftsführer Marcel M. lebte einige Monate bei Heilmann, im vergangenen Juli zog er aus. Zwischen den beiden Männern gab es zuletzt Streit, Heilmann wird versuchte Nötigung vorgeworfen, es wird gegen ihn ermittelt. "Ein rein privater Streit", sagt Heilmann selbst, "der nichts mit meiner Funktion als Abgeordneter zu tun hat."
Dass er als Jugendschutzbeauftragter des Sexshops genannt wurde, findet er nicht anstößig: "Kondome zu vertreiben, ist nicht schlimm." Aber Marcel M. habe gegen eine Unterlassungsklage verstoßen, nach der er Heilmanns Namen von der Seite hätte entfernen müssen. Vom damit verbandelten Escort-Service habe er nichts gewusst, sagt Heilmann der taz.
Ob die "Boys und Girls" noch aktiv sind, ist unklar. Zumindest der "Flutsch-Express" scheint ausgerollt zu sein: Zwar präsentieren sich auf der Startseite noch Rubriken von Kondom bis "Fetish Fashion", doch wer weiterklickt, findet keine Angebote mehr. Und der Name "Heaven Media" taucht im Internet als PC-Notdienst wieder auf - in Köln.
Waren es Parteifreunde, die die Information über den Sexshop an die Presse gaben? Über das Wort "Parteifreunde" mag Heilmann nicht einmal mehr lachen. Zur Sache äußern will er sich aber auch nicht: "Das wäre Spekulation."
Die "Flutsch"-Attacke sieht aus wie eine Antwort auf den Eimer Schlamm, der vor zwei Wochen den Vorsitzenden der Lübecker Linken, Ragnar Lüttke, traf: Da hatte das Flensburger Tageblatt vier Jahre alte Fotos zugespielt bekommen, auf denen Lüttke bei einer "Stalin-Fete" zu sehen ist: an der Wand ein Foto des schnurrbärtigen Diktators, auf dem Tisch eine Torte mit seinem Bild. Lüttke vermutete sofort, "Parteikreise um Lutz Heilmann" hätten die Bilder weitergegeben. Der Streit zwischen Lüttke und Heilmann sitzt so tief, dass Heilmann inzwischen zum Ortsverein Neumünster wechselte.
Das Heilmann-ferne Lager der Partei weist jeden Verdacht von sich, nun Informationen über den Internet-Shop gestreut zu haben: "Eine widerliche Denunziation und eine Dummheit", sagen selbst seine ausgewiesenen Gegner. Denn: "Was hier passiert, schlägt auf die Partei zurück."
Tatsächlich hat ein Ortsverein - aber weder Lübeck noch Neumünster - ein Papier "zum Zustand des Landesverbandes" vorbereitet, das bisher von gut 100 Mitgliedern unterzeichnet wurde. Damit soll, einmal mehr, ein Neustart gemacht werden, um die verfeindeten Cliquen wieder zur Sacharbeit zu bringen. Hoffnung setzen Teile der Partei auf den neuen Landesvorstand. Beim jüngsten Parteitag waren Kandidaten des Heilmann-nahen "Neumünsteraner Kreises" gescheitert. Dessen Mitglieder lassen allerdings prüfen, ob die Delegierten-Aufstellung korrekt war - eine Entscheidung soll an diesem Freitag fallen.
Dass der Zoff dann beendet ist, scheint wenig wahrscheinlich. Weiterer Krach steht an, wenn die Partei ihre Kandidaten für Bundes- und Landtag aufstellt.
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