Unbestimmt assoziativ

AUSSTELLUNG In „Kleider machen Kunst“ zeigt das Gerhard-Marcks-Haus mit Karin Arink und Reinhold Engberding zwei zeitgenössische Außenseiter der Bildhauerei

Diese Ausstellung ist schon eine Form von Luxus, in mancherlei Hinsicht, ein Ausdruck von Unabhängigkeit. Sie findet statt, obwohl sie zwar von Freunden des Hauses, aber nicht von Sponsoren aus der Privatwirtschaft unterstützt wird. Obwohl sie traditionelle, eher am Hausheiligen des Gerhard-Marcks-Hauses orientierte Freunde der Bildhauerei etwas verprellen könnte. Obwohl sie zwei Außenseiter zeigt, also keine großen Besucherzahlen wird generieren können. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, zu dem viele Kunstinteressierte wieder nach Bremen blicken, auf die dem Museum benachbarte Kunsthalle, die heute erstmals wieder dem breiten Publikum geöffnet wird.

Und dann verzichtet Kurator Arie Hartog, der Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, bei „Kleider machen Kunst“ auch noch auf eine klare These – obwohl gerade das heutzutage bei den Ausstellungsmachern fast schon unabdingbar scheint. Nein, diese Ausstellung hier beschränkt sich auf einen schlichten Vergleich, dessen Ergebnis am Ende auch noch jeder selbst resümieren muss.

Gegenüber gestellt werden die Niederländerin Karin Arink und der Deutsche Reinhold Engberding. Zwei zeitgenössische Künstler, die sich weder persönlich kannten, noch vom Werk des jeweils anderen wussten, ehe Hartog sie zusammen ausstellen wollte. Und die sich oft „bemerkenswert nahe“ sind, wie Hartog sagt, der beide schon länger kennt.

Das stimmt. Beide agieren in Randbereichen der Bildhauerei, beide experimentieren mit Kleidung, ohne dass es dabei vordergründig um Hosen und Hüllen, Kleider oder Sakkos ginge. Beide arbeiten nicht im engeren Sinne figürlich – und sind doch stets noch an menschlichen Formen orientiert. Sie leben vor allem von der Materialität, schaffen aber im Grunde leere Gefäße, denen eine gewisse Unbestimmtheit gemein ist. Man könnte das als Schwäche, als Beliebigkeit ausdeuten. Doch es ist zugleich ihre Stärke, weil es sich hier keineswegs im allgemein Atmosphärischen, aber letztlich Nichtssagenden erschöpft, sondern viel Raum für eigene Assoziationen eröffnet.

Dafür muss in dieser Ausstellung auch die „Marke“ der einzelnen Künstler zurückstehen. Sie sind in „Kleider machen Kunst“ nicht eigenständig, ja, es ist noch nicht einmal immer sofort klar, was von wem stammt. Und dieser Eindruck ist, ganz im Sinne des Vergleichs, auch durchaus gewollt. Deswegen müssen auch Namenskürzel reichen.

Karin Arink aus Rotterdam, 1967 in Delft geboren, arbeitete ursprünglich viel mit Stoff, zuletzt aber eher als Keramikerin. Ihre Arbeiten beziehen sich stark auf sie selbst, ihren eigenen Körper. Reinhold Engberdings Ansatz hingegen ist da sehr viel distanzierter. Der aus dem Westfälischen stammende Hamburger, Jahrgang 1954, studierte zunächst Landschaftsplanung und Freie Kunst – und häkelt inzwischen auch, ganz entgegen aller Geschlechterklischees. 2004 und 2005 hat er schon mal in Bremen ausgestellt.

Das Portal artfacts.net listet Arink auf Platz 10.028, Engberding gar nur auf Rang 29.251. Doch darum geht es dem Marcks-Haus nicht, ganz im Gegenteil. Hartog will nicht den „aufgeregten Kunstmarkt“ bedienen, und auch nicht einer „radikalen Vereinfachung des vorgelebten Kulturkonsums“ verfallen, wie er es nennt. Er fordert sein Publikum gerne, auch das bereits erfahrene. Ganz im Sinne einer „allgemeinen, progressiven Bildungsaufgabe“. Und sein Haus kann sich das glücklicherweise leisten.