Keine Ruhe im Schirm-Streit

KRACH Der Tüv beweist: Schallschutzschirme lösen die Lärmprobleme der Susannenstraße nicht

Seit bald drei Wochen versucht Klaus-Peter May, die Stadt Hamburg zu erreichen. Die Anrufe des Schirmfabrikanten aus Baden-Württemberg aber blieben allesamt unbeantwortet. Der zuständige Sachbearbeiter im Bezirksamt Altona war bis Anfang dieser Woche im Urlaub.

Gerne hätte May gefragt, wie die Stadt auf die Idee kommt, seit Dienstag jenen Wirten an der Susannenstraße mit Geldbußen von rund 500 Euro zu drohen, die keine Bestellung von Schallschutzschirmen nachweisen können. Denn bisher gibt es lediglich zwei Prototypen, die May entwickelt hat und die seit fünf Tagen zu Testzwecken vor den beiden Cafés „Chakra“ und „Kostbar“ stehen.

Messungen des Tüv Nord weisen nun nach: Die Schallschutzschirm-Prototypen sind nahezu nutzlos. Um gerade mal anderthalb bis zwei Dezibel vermögen sie, den Lärm zu dämpfen – wenig bei einem stattlichen Preis von rund 2.500 Euro für einen Schirm von drei mal vier Meter. Eine Differenz von knapp zwei Dezibel sei zwar hörbar, sagt May, doch auch der Diplom-Ingenieur weiß: „Zu Schlaf verhelfen werden die Schirme kaum jemandem.“

Mit Nachbesserungen glaubt May eine Dämpfung von maximal drei Dezibel erreichen zu können. Der Tüv Nord hat berechnet, dass theoretisch bis zu fünf Dezibel möglich sein sollten. May ist sich bewusst, dass seine Prototypen nicht den erhofften Nutzen bringen. „Ich werde wohl von allen Seiten auf den Deckel kriegen“, sagt er. Die Anwohner würden die Lärmbelästigung nach wie vor für zu groß halten, die Wirte wohl kaum viel Geld für fragwürdige Maßnahmen investieren wollen.

Ugur Yalcin, Inhaber der Imbisse „Va Veloce“ und „Pamukkale“, hat bereits 13.000 Euro für die Umwandlung der Parkbuchten in Gastronomieflächen bezahlt. Für zwei Schirme nochmals einen hohen vierstelligen Betrag auszugeben, kommt für ihn nicht in Frage. Auch Turan Koçak vom Café „Chakra“ sagt: „Lieber verzichte ich auf Außengastronomie, als in nutzlose Schirme zu investieren.“