Das ganze Wissen der Straße

Die „Streetunivercity“ will Jugendlichen aus Problemkiezen helfen, ihre eigenen Stärken zu entwickeln. Angeboten werden viermonatige Seminare zu Themen wie Ethik, Recht und Politik, aber auch Projekte mit Musikern und Künstlern

Straßen-Universität – das neue Projekt des Künstlers Giò di Sera trägt einen sehr ambitionierten Namen. Ambitioniert ist es auch: Sozialarbeiter der Kreuzberger Jugendeinrichtung Naunynritze sind ebenso dabei wie Manager von DaimlerChrysler, Künstler, Musiker oder der selbst aus Kreuzberg stammende Schauspieler Erhan Emre, bekannt aus Detlef Bucks Film „Knallhart“.

Mit viermonatigen Seminaren und Workshops will die „Streetunivercity“ Jugendlichen aus Kreuzberg die Möglichkeit geben, ihre speziellen Stärken und Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Die TeilnehmerInnen sollen sich ihren Stundenplan selbst zusammenstellen. Zum Pflichtprogramm gehören dabei allerdings Bildungsangebote zu Themen wie Ethik, Recht oder Politik sowie Antigewalt- und Bewerbungstraining, Existenzgründerseminare und Englischunterricht. Dabei arbeitet die „Streetunivercity“ mit der Bundeszentrale für politische Bildung, der Polizei oder eben mit DaimlerChrysler zusammen. Zusätzlich werden Projekte mit Musikern und Künstlern angeboten – und beispielsweise Videos drehen mit dem Regisseur Neco Celik, Spoken Word Poetry mit dem Rapper Killa Hakan oder Stylewriting mit der Jazzstylecorner Berlin üben.

„Wir wollen den Jugendlichen später Zertifikate ausstellen, die sie zum Beispiel Bewerbungen beilegen können“, sagt Martin Kesting, Leiter der Naunynritze. Formale Abschlüsse seien das zwar nicht, doch sie könnten potenziellen Arbeitgebern als Nachweis für das Engagement und Bildungsinteresse der Jugendlichen dienen.

Eröffnet wird das neue Bildungsangebot bereits in den Sommerferien. Als Radio- oder Zeitungsreporter können Jugendliche die Veranstaltungen des Musikfestivals „Popdeurope“ begleiten und dokumentieren. Die Ergebnisse werden in einer eigenen Zeitung beziehungsweise in Sendungen des Kooperationspartners Radio Multikulti dokumentiert. Im September beginnt die Universität dann richtig.

Alle Veranstaltungen finden in der Freizeit oder an Wochenenden statt. Denn als Konkurrenz zu anderen Qualifizierungsmaßnahmen sehe man das Projekt nicht, sagt Martin Kesting. Verlaufe das erste Semester im kommenden Halbjahr allerdings erfolgreich, „dann kann sich das in Zukunft vielleicht ändern“.