Aktie des weltgrößten Atomkonzerns stürzt ab

ENERGIEWENDE Unternehmen Areva sieht „ungünstige Marktbedingungen“ und kassiert Geschäftsziele

FREIBURG taz | Investoren verlieren den Glauben an die Atomkraft: Die Aktie des weltgrößten Atomkonzerns Areva stürzte am Mittwoch zum Börsenstart gegenüber dem Vortag um ein Viertel ab. Seit Jahren kämpft das Unternehmen. Für die Aktionäre war es ein neuerlicher Schlag. Der Kurs des Areva-Papiers notierte im Mai 2008 noch über 80 Euro, am Mittwoch lag es zeitweise unter der 10-Euro-Marke.

Auslöser war der schlechte Ausblick des französischen Konzerns am Vorabend: Areva kassierte seine Geschäftsziele für die Jahre 2015 und 2016. Eines der vielen Probleme: Der finnische Atomreaktor Olkiluoto 3, der ursprünglich ab 2009 laufen sollte, ist bis heute eine Baustelle. Entsprechend sind die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Inzwischen rechnet Areva damit, dass der Reaktor im Jahr 2018 in Betrieb gehen wird.

Fast zeitgleich teilte der französische Stromkonzern EDF mit, dass sich auch die Inbetriebnahme des Reaktors im nordfranzösischen Flamanville weiter verzögert; er werde voraussichtlich erst 2017 in Betrieb gehen, statt wie zuletzt prognostiziert 2016. Begründung: Der Reaktorbauer Areva habe Schwierigkeiten mit der Lieferung von Bauteilen. Das Projekt ist damit auch um Jahre in Verzug.

Zudem verzögere sich der Neustart der japanischen Reaktoren, erklärte Areva. Und selbst im Heimatland des Konzerns sei der Markt schwach, weshalb das französische Unternehmen in seiner Erklärung von Dienstagabend insgesamt von „ungünstigen Marktbedingungen“ spricht. Der Konzern will nun seinen „strategischen Ausblick und mittelfristigen Finanzierungsplan“ überprüfen.

Erneuerbare Konkurrenz

Die Probleme der Atomwirtschaft sind für Branchenkenner nicht überraschend: Der Preisrückgang bei den erneuerbaren Energien, insbesondere bei der Photovoltaik, entziehe der etablierten Stromwirtschaft das Geschäftsmodell, sagt der Pariser Energie- und Atompolitikberater Mycle Schneider. Das sähen mittlerweile auch die Investoren. Schneider: „Lange Zeit hatten sie gedacht, es stünde ein weltweiter Boom der Atomkraft bevor, doch jetzt merken sie, dass das Ganze ein Phantom war. Denn es gibt längst billigere Optionen, die vor allem viel schneller umzusetzen sind.“