Lange Zeit galt der Berliner Wohnungsmarkt als so genannter Mietermarkt. Doch nun steigen die Mieten wieder. Der Senat versucht zu beruhigen - andere gehen am Samstag wieder auf die Straße.von ANNA SPROCKHOFF UND GRIT WEIRAUCH

Saubere Wände... Bild: dpa
Nach Jahren der Ruhe und Zufriedenheit in Deutschlands Mieterstadt Nummer eins gehen Berliner MieterInnen wieder auf die Straße. Am heutigen Samstag zieht unter dem Motto "Hopp Hopp Hopp - Mietenstopp" ein Demonstrationszug durch Kreuzberg und Neukölln.
Aufgerufen hat ein Bündnis aus 35 linken Gruppen, auch die Berliner Mietergemeinschaft und Gewerbetreibende sind dabei. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 1.000 Teilnehmern. Ziel sei die Mobilisierung von Mietern in ganz Berlin, sagt Peter Schmitz vom Bündnis.
In den letzten Jahren sind die Mieten gerade in Szenestadtteilen wie Kreuzberg um bis zu fünf Prozent gestiegen. Das geht aus dem Wohnungsmarktbericht des Beratungsunternehmens Jones Lang Lasalle hervor. In Charlottenburg-Wilmersdorf beträgt die Erhöhungsrate gar 7,2 Prozent, und auch in Pankow oder Mitte sei ein "beschleunigtes Mietpreiswachstum" festzustellen.
"Dadurch werden ärmere Menschen aus ihren Bezirken vertrieben", sagt Demo-Organisator Schmitz. Berlin verliere die Mischung in den Vierteln. "Wenn es so weitergeht, gibt es bald nur noch eine Insel für die Reichen und eine für die Armen."
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht für Berlin hingegen "keinen Handlungsbedarf", um einer Entmischung in den Vierteln zu entgehen. Laut Sprecher Mirko Rosteck gebe es einen "hervorragenden Wohnungsmarkt". Zudem existiere immer noch Leerstand, auch in Pankow, Mitte oder Kreuzberg - insgesamt stünden 100.000 Wohnungen leer.
Damit könne man nicht argumentieren, hält Reiner Wild vom Berliner Mieterverein dagegen. Der Senat betreibe "Schönwetterpolitik". Oft handele es sich beim Leerstand um "Bruchbuden", die nicht vermietbar seien. Auch Daniel Hofman vom Beratungs- und Forschungsinstitut GEWOS, das auch den Mietspiegel erstellt, sieht auf die Stadt ernste Probleme zukommen. Das Angebot an günstigem Wohnraum werde sich "in den nächsten Jahren verknappen". Dabei steige die Nachfrage vor allem nach kleineren Wohnungen um vier Prozent. "Dieser Bedarf ist nicht durch Neubau zu decken und auch nicht über Sozialwohnungen, da die Förderung in den nächsten Jahren ausläuft."
Eine konkrete Lösung der Wohnungsmarkt-Problematik hat auch das Demo-Bündnis nicht parat - dafür jede Menge Ideen: Mietpreisbindung. Sozialwohnungen statt Luxus-Lofts. Oder wenn alle Stricke reißen: Besetzungen leerstehender Wohnungen.
Die Demo beginn Samstag um 14 Uhr in der Falckensteinstraße
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